© Sven Hoppe

Siliziumkugel als neues Ur-Kilo im Deutschen Museum zu sehen

München (dpa/lby) – Die Welt und auch das Deutsche Museum haben seit Montag ein neues, extrem genaues Gewichtsmaß: Mit einer Siliziumkugel lässt sich ein Kilogramm genauer bestimmen als je zuvor. Das Museum bekam eine solche aus einem einzigen Kristall geschnittene Kugel von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt. Sie bilde den Grundstock für eine Ausstellung zum Thema Messen, sagte Museums-Generaldirektor Wolfgang Heckl am Montag. «Auf dem Gebiet des Messens findet gerade eine stille Revolution statt.» Durch die Zahl der Silizium-Atome in der Kugel lasse sich sehr präzise errechnen, was ein Kilogramm sei.

Weltweit wird seit Montag das Kilo in Siliziumatomen gerechnet. Bisher galt das Ur-Kilogramm, das seit 130 Jahren in einem Tresor in Paris verwahrt wird, als Maß. Es besteht zu 90 Prozent Platin und 10 Prozent Iridium. Es hatte jedoch stetig an Masse verloren, laut Museum vermutlich bisher mehr als 50 Mikrogramm, etwa so viel, wie ein Salzkorn wiege. «Für Menschen, die sich hauptberuflich mit dem Messen befassen und die versuchen, weltweit gleiche Maßeinheiten zu gewährleisten, ist das eine fast genauso große Katastrophe wie das Maß-Chaos im Mittelalter, als das Längenmaß «Fuß» je nach Schuhgröße des jeweiligen Königs variierte», erläuterte das Museum.

Das Kilo ist nur eine Messeinheit, die nun mittels Naturkonstanten – wie Lichtgeschwindigkeit und Ladung des Elektrons – bestimmt wird. Auch die Sekunde (Zeit), der Meter (Länge), das Ampere (Stromstärke), das Kelvin (Temperatur), das Mol (Stoffmenge) und die Candela (Lichtstärke) wurden zum 20. Mai als Weltmetrologietag neu definiert.