© Hendrik Schmidt

«Stelzenfestspiele»: Bach, Obertongesang und Schlüsselfidel

Stelzen (dpa) – Johann Sebastian Bach bleibt eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für Musiker: Bei den «Stelzenfestspielen bei Reuth» im Dreiländereck von Bayern, Sachsen und Thüringen wurden am Samstag Werke des Komponisten in ungewöhnlicher Ausführung geboten – verjazzt oder klassisch, mit Obertongesang und auf Instrumenten wie Schlüsselfidel und Singender Säge. Auch ein Stück des Saxofonisten Charlie Parker, der Bach verehrte und Anleihen bei ihm nahm, war zu hören. Das Programm «Bach auf Abwegen» lockte im Hof einer Kfz-Werkstatt im Vogtlanddorf Stelzen gut 250 begeisterte Zuhörer an.

Die Musiker um den aus Südafrika stammenden Bratscher Gareth Lubbe agierten als «musikalischer Suchtrupp» – so der Untertitel des Konzertes – und brachten Stücke aus Bach-Klassikern wie der «Kunst der Fuge», dem «Wohltemperierten Klavier» oder den «Cello-Suiten» zu Gehör. Festivalchef Henry Schneider spielte auf dem Nachbau einer Schlüsselfidel, die in Mitteleuropa bis ins 17 Jahrhundert bekannt war und heute als Nyckelharpa meist nur noch in der traditionellen schwedischen Folklore vorkommt. Das Streichinstrument erzeugt mittels einer Tastatur Töne.

Die «Stelzenfestspiele bei Reuth» in klanglicher Anlehnung an das nicht sehr weit entfernte Bayreuth sind ein ungewöhnliches Musenfest mit originellen Konzertformaten. Hier wird normalerweise in Scheunen und manchmal auch mitten im Wald gespielt. Zu dem Spektakel reisen Besucher aus ganz Deutschland an.