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Unternehmen sollen Position gegen Antisemitismus beziehen

München/Leipzig (dpa) – Nach Antisemitismus-Vorwürfen gegen einen Mitarbeiter eines Leipziger Hotels hat Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle (CSU) Unternehmen aufgefordert, eindeutig gegen Judenfeindlichkeit Stellung zu beziehen. Geschäftsführungen und Vorstände seien Vorbilder für die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sagte er am Mittwoch. «Und viele Unternehmen haben dankenswerterweise eine klare Meinung gegen Antisemitismus eingenommen», betonte Spaenle.

Der Münchner Sänger Gil Ofarim hatte zuvor ein Video auf Instagram gepostet, in dem er einen antisemitischen Vorfall in einem Leipziger Hotel schilderte. Demnach hatte ihn ein Mitarbeiter am Montagabend aufgefordert, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. Zudem soll er beim Einchecken übergangen worden sein.

In der Sache ermittelt mittlerweile die Polizei. Der beschuldigte Mitarbeiter wehrt sich allerdings und hat Anzeige wegen Verleumdung gestellt. Der Mann schildert den Vorfall mit Ofarim laut einem Polizeisprecher deutlich anders als der Musiker.

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) in Bayern hat aus Anlass der Vorwürfe darauf aufmerksam gemacht, dass die Stelle bislang 131 antisemitische Vorfälle dokumentiert habe, die sich von Angesicht zu Angesicht ereignet hätten. In 57 Fällen seien die Betroffenen als Juden adressiert und angefeindet worden.

«Erfahrungen von Antisemitismus, wie sie Gil Ofarim machen musste, sind auch in Bayern Alltag», sagte RIAS-Leiterin Annette Seidel-Arpacı. Dabei sei davon auszugehen, dass nur ein Bruchteil der Fälle bei RIAS gemeldet werde. Die Stelle wurde im Jahr 2019 gegründet, um antisemitische Taten öffentlich zu machen.

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