© Claudia Hagn

Reißende Bäche: Schock in Landshut nach dem Unwetter

Landshut (dpa/lby) – Das schwere Unwetter in Landshut dauerte nur eine halbe Stunde – doch die reichte aus, um weite Teile der mittelalterlich geprägten Stadt am Dienstagabend zu verwüsten. «Binnen Minuten sind Straßen zu reißenden Bächen geworden», sagte am Mittwochmorgen Feuerwehrsprecher Dominik Zehatschek. Die Stadt spricht von einem «hundertjährlichen Ereignis». Innerhalb von nur einer halben Stunde seien 57 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen. Auch in anderen Teilen Bayerns richteten Gewitter, Hagel, Starkregen und Sturmböen Schäden an. Eine Folge des Klimawandels?

Tatsächlich warnen Forscher: So schwere Gewitter könnten in Zukunft häufiger werden, vor allem wegen des Klimawandels. Gewitterlagen wie die der vergangenen Tage seien in der Heftigkeit zwar immer noch ein relativ seltenes Ereignis. «Aber auch ich habe den Eindruck, dass sie in dieser Heftigkeit häufiger geworden sind», sagte der Meteorologe Uwe Schickedanz dem «Südkurier». «Sie sind aber noch nicht so häufig, dass wir statistisch sagen könnten, es ist mehr geworden.» Auch der Physiker Christian Plaß-Dülmer schätzt die Lage ähnlich ein. Weil sich die Erde infolge des Klimawandels erwärme, werde es mehr extreme Wetterlagen geben, erklärte der Leiter des Bergobservatoriums auf dem Hohen Peißenberg am Starnberger See der «Süddeutschen Zeitung».

Die Landshuter jedenfalls traf es hart. «Wir haben Wildbäche gehabt, wo sonst Straßen sind», sagte Oberbürgermeister Alexander Putz dem Bayerischen Rundfunk (BR). Unvorstellbare Wassermassen seien die Hänge rings um die Stadt heruntergekommen. Nach Auskunft der Feuerwehr rissen die Fluten Autos mit, unterspülten Straßen und schwemmten Unmengen an Schlamm auf die Straßen und in die Häuser. Einige Menschen wurden in ihren Autos von Wasser eingeschlossen. Mit Hilfe der Feuerwehr kletterten sie durch die Autofenster ins Freie. Dabei wurden laut Zehatschek einige leicht verletzt. Die ganze Nacht und bis in den nächsten Tag schufteten Rettungskräfte und Bewohner, um Straßen und Häuser von Wasser und Schlamm zu befreien. Viele standen unter Schock, manche bangen gar um ihre Existenz.

Auch in vielen anderen Teilen Bayerns herrschte am Dienstag Alarmstimmung. Bäume stürzten um, Straßen wurden überflutet oder unterspült und Keller liefen voll mit Wasser. So gingen allein bei der Nürnberger Berufsfeuerwehr innerhalb von drei Stunden 232 Notrufe ein. In Kleinberghofen (Landkreis Dachau) krachte ein Baum auf eine Kapelle und beschädigte das Dach. Getroffen wurde auch die Lindauer Gartenschau. Äste seien von den Bäumen gekracht, Bauzäune umgestürzt und Gewächshäuser beschädigt worden. «Es sieht verheerend aus», teilten die Veranstalter mit.

Auf dem Mandichosee im Raum Friedberg bargen Rettungskräfte ein Segelboot mit zwei Passagieren an Bord. Ein zweites Boot, das auf dem Wasser trieb, sorgte zunächst für Aufregung. Als es in Sicherheit gebracht wurde, stellte sich jedoch heraus, dass niemand an Bord war. Das kleine Schiff hatte sich von der Anlegestelle losgerissen.

Dramatische Momente erlebten die Autofahrer auf der Autobahn A99 zwischen München-Neuherberg und dem Autobahndreieck Feldmoching Richtung Stuttgart. Gegen 17.25 Uhr sei ein Blitz in die mittlere Fahrspur eingeschlagen und habe ein faustgroßes Loch in die Fahrbahn gerissen, teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mit. Bei einem Lastwagen und einem Auto versagte daraufhin die Elektronik. Beide konnten nicht mehr weiterfahren.

© dpa-infocom, dpa:210630-99-201839/4