© Gregor Bauernfeind

Illegale Böller aus Tschechien in Bayern gefragt

Selb/Cheb (dpa/lby) – Während in Deutschland der Verkauf von Feuerwerkskörpern verboten ist, floriert offenbar das Geschäft mit illegalen Böllern in Tschechien und der Schmuggel über die Grenze. «Wir stellen dieses Jahr im Vergleich zu 2020 eine deutliche Zunahme fest», sagte ein Sprecher der Bundespolizeiinspektion Selb in Oberfranken. Im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Pandemie beobachtet die Bundespolizei in Selb, Waidhaus und Waldmünchen nahe der deutsch-tschechischen Grenze aber keine Steigerung.

Beinahe täglich würden derzeit Böller sichergestellt, sagte der Sprecher der Bundespolizei Selb. Allein am Dienstag wurden in dem Bereich in drei Fällen junge Leute mit mehreren Kilogramm Feuerwerkskörpern erwischt. Am gleichen Tag fanden Schleierfahnder bei Furth im Wald bei drei Kontrollen 30 Kilogramm verbotene Böller, wie die Bundespolizei am Mittwoch mitteilte.

Oft seien es Gelegenheitskäufer, etwa Pendler aus Tschechien, die etwas mitbrächten oder Privatleute, die für sich selbst oder für einige Freunde einkauften, sagte der Bundespolizeisprecher. Es komme auch vor, dass sich Käufer das Feuerwerk selbst an eine Paketstation in Deutschland schicken. Teils wollen die Täter die Ware aber auch weiterverkaufen. Mitte Dezember etwa fand die Bundespolizei Selb 55 Kilogramm bei vier Männern aus Baden-Württemberg. «Da war das ganze Auto vollgestopft mit Böllern», sagte der Sprecher. Im Bereich Waidhaus fanden Bundespolizisten im Oktober gar knapp 6000 Feuerwerkskörper mit einem Gewicht von 1240 Kilogramm.

Meist werden die Böller auf grenznahen Märkten gekauft. «Und da ist unsere Erfahrung, dass sie in großer Menge gefälscht sind», sagte der Bundespolizeisprecher. Außerdem seien sie oft gefährlich und unberechenbar. Auch vergleichsweise kleine Böller könnten eine viel höhere Sprengkraft haben, als man es von deutschen Knallern gewohnt sei. «Mit den Dingern kannst du Briefkästen von der Wand holen», sagte er. Man bekomme oft mit, dass Leute Finger oder Schlimmeres verlören oder in Brand gerieten.

In Deutschland ist der Verkauf von Feuerwerk vor Silvester zum zweiten Mal in Folge verboten. In Tschechien dagegen darf es das ganze Jahr verkauft werden. Die richtige «Saison» bei der Einfuhr illegaler Böller beginnt laut dem Bundespolizeisprecher ab Ende November. Dass im vergangenen Jahr weniger sichergestellt worden war, könne daran liegen, dass es damals teils Grenzkontrollen und weniger Reiseverkehr gegeben habe. Jetzt dächten viele, es gebe nur sporadische Kontrollen. «Das täuscht natürlich», sagte der Sprecher.

Sichergestellt werden Böller der – in Deutschland eigentlich für Privatpersonen erlaubten – Gefahrenkategorien 1 und 2, die aber gefälschte Kennzeichnungen haben. Böller der Kategorien 3 und 4 sind in Deutschland Profis vorbehalten, im Ausland aber teils frei verkäuflich. Bei Verstößen gebe es in der Regel Anzeigen nach dem Sprengstoffgesetz, meist liege auch ein Einfuhrschmuggel vor, sagte der Bundespolizeisprecher. Empfindlich dürfte viele außerdem treffen, dass die Verursacher die aufwendige Vernichtung der Böller bezahlen müssen.

Vor dem Verkaufsverbot in Deutschland sei wohl hauptsächlich der Kostenfaktor für den Kauf in Tschechien entscheidend gewesen, dem ein oder anderen sei wohl auch die höhere Sprengkraft der ausländischen Böller wichtig gewesen, sagte der Sprecher. Jetzt fahre man ins Nachbarland, weil es in Deutschland einfach nichts zu kaufen gebe.

Kurz vor Silvester wird die Fahrt nach Tschechien aber aufwendiger: Das Nachbarland hat in der Zeit vom 30. Dezember bis 1. Januar die Ausnahmeregelung für den kleinen Grenzverkehr aufgehoben. Damit gilt selbst für kurze Einkaufsfahrten über die Grenze, dass sowohl ungeimpfte als auch vollständig grundimmunisierte Personen ohne Booster einen negativen Corona-PCR-Test vorweisen müssen. Zudem ist ein Online-Meldeformular auszufüllen.

Rund um die Grenzstadt Cheb (Eger) kommt es in letzter Zeit außerdem häufiger vor, dass Deutsche in den Wäldern auf tschechischer Seite Feuerwerkskörper zünden. «Das ist ein riesiges Problem», sagte der für das Ordnungsamt zuständige Vizebürgermeister Jiri Cerny der Deutschen Presse-Agentur. Er sieht darin auch eine Folge des Knallerverbots in Deutschlands. Nach dem tschechischen Waldgesetz ist das Abbrennen von Feuerwerkskörpern grundsätzlich verboten, unter anderem weil es wildlebende Tiere aufscheucht.

© dpa-infocom, dpa:211229-99-533656/4