© Tatan Syuflana

Internationale Hilfe für Indonesien – Mindestens 844 Tote

Jakarta (dpa) – Nach der Tsunami-Katastrophe mit Hunderten Toten in Indonesien haben zahlreiche Länder ihre Hilfe zugesagt. «18 befreundete Länder haben als Geste der Solidarität Unterstützung angeboten. Das wissen wir zu schätzen», sagte der für Sicherheit zuständige Minister Wiranto.

Die Europäische Union stellte nach eigenen Angaben zunächst 1,5 Millionen Euro Nothilfe zur Verfügung. Großbritannien spendete nach eigenen Angaben umgerechnet 2,25 Millionen Euro. Auch die USA, Japan, Saudi-Arabien und Katar hätten Hilfe versprochen, sagte Wiranto. Ein erstes Team mit Helfern aus Deutschland soll am Mittwoch in die Krisenregion fliegen.

Nach der jüngsten offiziellen Zwischenbilanz von Montag kamen auf Indonesiens viertgrößter Insel Sulawesi mindestens 844 Menschen ums Leben. Dabei handelt es sich nach Angaben des Katastrophenschutzes allerdings nur um Todesopfer, die bereits identifiziert wurden. Bei vielen Toten gelang dies noch nicht. Zudem wird befürchtet, dass in entlegeneren Gebieten viele Opfer noch nicht einmal entdeckt sind.

Vielerorts mussten Retter mit bloßen Händen nach Überlebenden graben, weil es an Geräten fehlt. Die Regierung fürchtet, dass die Zahl der Todesopfer letztlich in die Tausende geht. Helfer haben mit dem Ausheben von Massengräbern begonnen, um die Toten möglichst schnell unter die Erde zu bringen.

Die indonesische Hilfsorganisation Aksi Cepat Tanggap geht nach der Kastrophe vom Freitag von mindestens 1200 Toten aus. Ob darunter auch Ausländer sind, ist bislang nicht bekannt. Eine Gruppe deutscher Urlauber überstand die Katastrophe in einem Tauch-Resort unverletzt.

Aus Deutschland fliege ein erstes Erkundungsteam der Malteser am Mittwochmorgen in die Krisenregion, teilte der Malteser Hilfsdienst mit. Die Nothilfeteams weiterer Organisationen der «Aktion Deutschland hilft» warteten auf eine offizielle Bestätigung der indonesischen Regierung, bevor sie losfliegen könnten, wie es in einer Mitteilung des Bündnisses hieß. Die Zeit, um in den Trümmern eingestürzter oder weggeschwemmter Häusern auf der Insel Sulawesi noch Überlebende zu finden, wird immer knapper.

Rund 48.000 Menschen in dem Land mit 260 Millionen Einwohnern seien von dem Unglück aus ihrer Heimat vertrieben worden, sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzes, Sutopo Nugroho. In dem Katastrophengebiet fehlt es an den wichtigsten Dingen. Der Leiter der staatlichen Suchtrupps in der Stadt Palu, Nugroho Budi Wiryanto, klagte: «Es gibt kaum schweres Gerät und praktisch keinen Treibstoff. Das macht uns die Rettung von Opfern sehr schwer.» Zudem gibt es vielerorts weiter keinen Strom. Zwar ist der Flughafen der Stadt Palu mittlerweile wieder geöffnet. Allerdings können dort längst nicht alle erforderlichen Maschinen landen.

Hunderte flüchtige Häftlinge sollen sich nach dem Erdbeben den Behörden stellen. Die Regierung habe ihnen dafür ein Ultimatum von einer Woche gesetzt, sagte Minister Wiranto. Nach den 769 Häftlingen zu suchen, die das Beben zur Flucht nutzten, habe keine Priorität, weil die Behörden mit den Rettungsarbeiten ausgelastet seien. Das Beben der Stärke 7,4 hatte auch Wände und Zäune zweier Gefängnisse in Palu und im benachbarten Bezirk Donggala einstürzen lassen.

Die indonesischen Behörden wehrten sich gegen Kritik am Warnsystem. Die Leiterin der zuständigen Agentur für Meteorologie, Klima und Geophysik (BMKG) rechtfertigte die Entscheidung, die Tsunami-Warnung am Freitagabend nach einer halben Stunde wieder aufzuheben. Behördenchefin Dwirkorita Karnawati sagte der Zeitung «Jakarta Post»: «Der Strand von Palu wurde in der Dämmerung von drei Wellen erfasst. Das hat zweieinhalb Minuten gedauert.» Die Tsunami-Warnung sei erst danach aufgehoben worden. Aus Sicht des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam (GFZ) war jedoch auch das zu früh.

Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Für die Einwohner sind Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche keine neue Erfahrung. Beim Mega-Tsunami an Weihnachten 2004 starben dort mehr als 160.000 Menschen, so viele wie in keinem anderen Land der Region. Insgesamt kamen damals in den östlichen Anrainerstaaten des Indischen Ozeans etwa 230.000 Menschen ums Leben.