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Weinlese in Franken startet mit Appell an Regierung

Sommerhausen (dpa/lby) – Spätfrost, Trockenheit und dann auch noch die Corona-Pandemie: Fränkische Winzer erwarten zu Beginn der Hauptlese weniger Erträge. «Der Fränkische Weinbauverband rechnet damit, dass auf das ganze Gebiet gesehen maximal die Hälfte einer durchschnittlichen fränkischen Ernte gelesen werden wird», sagte Michael Bock vom Fränkischen Weinbauverband in Würzburg. Regional und in einzelnen Betrieben werden auch höhere Ausfälle befürchtet. Eine «moderate Erhöhung» der Preise für den Frankenwein ist nach Angaben des Weinbauverbandes möglich.

Zum Start der Weinlese in Sommerhausen appellierte daher der Präsident des Fränkischen Weinbauverbands, Artur Steinmann, an die Bayerische Staatsregierung: Versprochene Mittel für längst entwickelte und innovative Bewässerungssysteme müssten endlich freigegeben werden. «Wenn wir jetzt nicht handeln, gefährden wir unsere über Jahrtausende gewachsene Kulturlandschaft und die Bewirtschaftung der Steillagen», betonte er am Donnerstag im Beisein der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU).

Schon im Mai hatte Spätfrost sichtbare Schäden in den fränkischen Weinbergen verursacht: braune Weinblätter, erfrorene Traubenansätze oder Triebe. Mancherorts sind durch den späten Frost im Mai bis zu 80 Prozent der Reben erfroren. Stark betroffen waren die Mainschleife, Teile des Steigerwalds sowie Saale- und Taubertal. «Der Klimawandel zeigt sich immer stärker in Franken. Die warmen Temperaturen lassen die Rebstöcke früher austreiben – eine einzige kalte Nacht mit Spätfrost genügt, um für immense Ausfälle zu sorgen», sagte Steinmann.

In den Steil- und Steilst-Lagen machte die Trockenheit zu schaffen. Auf manchen Feldern war im Sommer der Boden aufgrund der Trockenheit verkrustet, so dass Wasser von der Oberfläche floss. Viele Winzer hätten bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gearbeitet, beschreibt Steinmann. Erschwerend für viele Winzer waren die Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Zwar halfen sich einige mit kreativen Ideen wie digitalen Weinverkostungen. Dennoch kämpfte die Branche mit erheblichen Absatzproblemen.

Seit Jahren testet der Fränkische Weinbauverband zusammen mit der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Schutzmethoden. Ein intelligentes und ressourcenschonendes Bewässerungsmodell wurde laut Steinmann bereits entwickelt: Dabei wird während wasserreicher Monate Oberflächenwasser gesammelt und in trockenen Monaten durch sparsame Tröpfchenbewässerung an die Rebstöcke abgegeben. Teilweise wird auch mit Drohnen gearbeitet, um zu schauen, welche Rebe gerade wie viel Wasser braucht. Erste Pilotprojekte gebe es – nur das Geld zur weitflächigen Umsetzung fehle.

Die Dringlichkeit um zeitgemäße Bewässerungstechnik werde sehr ernst genommen, sagte Kaniber. «Ob Umweltminister, Ministerpräsident, aber auch ich – wir wissen ganz genau, dass wir diese Projekte schnellstmöglich auf den Weg bringen müssen.»

Umwelt- und Landwirtschaftsministerium hätten viele Förderprogramme geschrieben, sagte Kaniber. «Momentan ist es so, dass es 18 Pilotprojekte gibt, davon sind allein 12 in Franken angesiedelt. Die Winzer zeigen hier sehr starkes Engagement, weil sie natürlich die Weinberge retten und für die Zukunft sicher machen wollen.» Gleichzeitig verwies sie auf die Federführung des Umweltministeriums bei der Unterstützung innovativer Bewässerungssysteme.

Ihr Ministerium arbeite derzeit intensiv an einer Förderrichtlinie, um Wein- und Obstbauern bei Mehrgefahrenversicherungen zu unterstützen. Künftig sollen Obstbauern und Winzer finanziell beim Abschluss einer Versicherung gegen Frost und Starkregen unterstützt werden, damit die teils kostenintensiven Versicherungen gegen Ernteausfall abschließen können.

«Es geht um die Existenz», sagte Steinmann. «Wenn hier nicht etwas passiert, dann gehen die Weinberge ein.» Ohne Bewässerung seien die Steillagen und auch die über Jahrtausende gewachsene Weinkulturlandschaft Frankens gefährdet: «Davon hängen rund 200 Wein- und Winzerdörfer ab. Die Lebendigkeit, das Kulturleben in diesen Dörfern ist durch den Wein geprägt.»

Bayernweit ist die Rebfläche rund 6400 Hektar groß. Auf Franken entfallen davon etwa 6300 Hektar, die zahlreiche Weintouristen anziehen. Nach einer Studie der Hochschule Geisenheim (Hessen) geben sie jährlich etwa 700 Millionen Euro in Franken aus. Bereits im vergangenen Jahr hatte Franken laut Fränkischem Weinbauverband die geringste Ernte seit 1985 eingefahren.

Trotz der Trockenheit und Spätfröste wird eine gute Weinqualität erwartet, sagte Steinmann. «Durch die kalten Nächte und die warmen Tage haben wir nicht nur sehr gesundes und qualitativ hochwertiges Lesegut, sondern können auch frische feinfruchtige Weine mit ausgeprägten Aromen- und Säurenspiel für den Jahrgang 2020 erwarten.»