© Ibo

Per Helikopter aus dem Gefängnis: Großfahndung in Frankreich

Paris (dpa) – Nach der spektakulären Helikopter-Flucht aus einem französischen Gefängnis hat ein Großaufgebot der Polizei weiter nach dem geflohenen Häftling gesucht. Ein solcher Ausbruch sei nicht akzeptabel, sagte Premierminister Édouard Philippe am Montag im Radiosender RTL.

«Das wirft viele Fragen auf.» Justizministerin Nicole Belloubet ordnete eine Inspektion an, um mögliche Fehler bei den Sicherheitsvorkehrungen im Gefängnis von Réau zu klären, das südöstlich von Paris liegt.

Rund 2900 Polizisten wurden für die Fahndung nach dem verurteilten Verbrecher Redoine Faïd eingesetzt. «Die Ordnungskräfte sind vollständig mobilisiert, um zu versuchen, diese Person wiederzufinden», sagte Regierungschef Philippe.

Der 46 Jahre alte Faïd war am Sonntag aus dem Gefängnis entkommen. Drei bewaffnete Komplizen hatten einen Hubschrauber-Piloten in ihre Gewalt gebracht und waren in einem Hof der Einrichtung gelandet. Der Ausbruch dauerte nach Angaben der Behörden nur wenige Minuten, es wurde niemand verletzt.

Justizministerin Nicole Belloubet sagte im Sender Europe 1, dass vor einigen Monaten Drohnen über der Haftanstalt gesehen worden seien. «Wir denken daher, dass es vielleicht eine Verbindung zwischen diesen Drohnen (…) und dieser Flucht gibt», sagte sie. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein.

Der Geflohene ist laut Medienberichten mehrfach zu Haftstrafen verurteilt worden und hatte im Jahr 2013 schon einmal mit einem Gefängnisausbruch von sich reden gemacht. Damals hatte er vier Wärter als Geiseln genommen. Ein Berufungsgericht hatte ihn im April als mutmaßlichen Organisator eines geplanten Raubüberfalls zu 25 Jahren Haft verurteilt: Die Verbrecher waren im Jahr 2010 der Polizei aufgefallen, bevor sie zur Tat schreiten konnten, bei der anschließenden Verfolgungsjagd wurde eine Polizistin getötet.

Vor einigen Jahren hatte Faïd sogar an einem Interview-Buch über seine Kriminalitätskarriere mitgewirkt – und damals versichert, dass er dieses Kapitel abgeschlossen habe.

Faïds Komplizen landeten genau im einzigen Hof, der nicht mit Leinen gegen Hubschrauber geschützt ist – laut Medienberichten haben Häftlinge dort eigentlich keinen Zugang. Sie verschafften sich Zugang zu einem Besuchsraum, in dem der Häftling exakt zu dieser Zeit mit einem Bruder sprach. Dieser wurde anschließend in Polizeigewahrsam genommen, am Montagabend aber wieder auf freien Fuß gesetzt, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Justizkreise berichtete. Der Helikopter, mit dem der Häftling und seine Komplizen flohen, wurde bereits am Sonntag gefunden.

Die Vollzugsbeamten mussten nach Darstellung eines Justizgewerkschafters tatenlos zusehen: «Sie haben ihn (den Helikopter) ankommen sehen, sie haben den Alarm ausgelöst, aber sie konnten nichts tun», sagte Martial Delabroye dem Sender RMC. Die Aufseher seien nicht bewaffnet.