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Würzburger Kinderporno-Fall: Suche nach Opfern vorrangig

Würzburg (dpa/lby) – Im Würzburger Kinderporno-Fall konzentrieren sich die Ermittler derzeit auf die Suche nach den Opfern. Es gebe eine «große Bandbreite an Tatorten», eine große Zahl von Kontaktmöglichkeiten zu Kindern – «und das über einen mehrjährigen Zeitraum», sagte Oberstaatsanwalt Christian Schorr von der Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg am Montag.

Ein Sprachtherapeut soll über Jahre kleine Buben im Kindergartenalter missbraucht und die Taten gefilmt haben. Fotos und Videos verbreitete er im sogenannten Darknet. Der 37-Jährige war in mehreren Einrichtungen tätig und hatte dort mit Kindern zu tun.

Unter anderem leitete er ein präventives Bewegungsangebot beim Sportbund DJK Würzburg, mit rund 1800 Mitgliedern einer der großen Sportvereine der Stadt. Der Verein reagierte bestürzt auf die Verhaftung des Mannes. «Wir sind geschockt und bestürzt. Wir arbeiten intensiv mit der Polizei zusammen, um die Ermittlungen mit allem, was wir dazu beitragen können, zu unterstützen», erklärte die Vorsitzende des DJK Würzburg, Sonja Buchberger, auf der Internetseite des Vereins.

Ob Kinder in Kursen des Mannes beim DJK Würzburg betroffen seien, stehe noch nicht fest. Die Ermittlungen richteten sich ausdrücklich nicht gegen den Verein. Vielmehr sei das Angebot dieses Übungsleiters einer der Bereiche gewesen, in denen der Mann Kontakt zu Kindern hatte.

Die Ermittler hatten eine dreistellige Zahl an Fotos und Videos sichergestellt. Dennoch gestaltet sich die Suche nach den Opfern schwierig. Denn auf den Bildern sind dem Vernehmen nach keine Gesichter erkennbar. Die Täter achten auch im Darknet als abgeschirmtem Bereich des Internets darauf, dass weder Tatorte noch Kinder und Erwachsene erkennbar sind.

Nicht zu den Opfern zählen nach bisherigen Erkenntnissen die beiden Pflegekinder des Verdächtigen. Der Sprachtherapeut und sein Partner hatten seit Jahren einen vierjährigen Buben und ein fünfjähriges Mädchen betreut.

Die Stadt habe die Kinder rechtsmedizinisch untersuchen lassen, sagte eine Sprecherin der Stadt am Montag. Beide seien physisch und psychisch wohlauf. Sie seien bei Bereitschaftspflegeeltern untergekommen.

Ob anderweitig gegen Nutzer oder Konsumenten des kinderpornografischen Materials ermittelt wird, blieb zunächst offen. Keine Auskünfte gab es auch dazu, ob der Mann womöglich für die Nutzung der Bilder Geld verlangte. «Generell ist es aber so, dass nach unseren Erfahrungen beim Austausch von Kinderpornografie eine Bezahlung des Materials nicht die Regel ist», teilte Oberstaatsanwalt Schorr dazu allgemein mit.

Der Fall war am Donnerstag bekanntgeworden und hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Der tatverdächtige Logopäde sitzt in Untersuchungshaft, sein Partner war zeitweise ebenfalls festgenommen, dann aber rasch wieder freigelassen worden. Die Ermittlungen gegen den Partner seien noch nicht eingestellt, sagte Schorr. Es gebe aber keinen dringenden Tatverdacht. «Man geht davon aus, dass es eine realistische Möglichkeit ist, dass er nichts von den Aktivitäten seines Partners wusste.»