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Ministerin: Arbeitsmarkt in Bayern bricht «alle Rekorde»

Nürnberg (dpa/lby) – Dank der Herbstbelebung ist die Zahl der Arbeitslosen in Bayern wieder deutlich unter die Marke von 200 000 gesunken. Sie lag im Oktober bei rund 195 800, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Das waren 11 200 Jobsucher weniger als im Vormonat und 13 000 weniger als im Oktober 2017. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Punkte auf 2,6 Prozent.

Das sei die «niedrigste je in Bayern gemessene Quote», sagte Arbeitsministerin Kerstin Schreyer (CSU). Der Jobmarkt breche «weiterhin alle Rekorde»: «So gut war die Lage auf dem bayerischen Arbeitsmarkt noch nie», sagte die Ministerin. Mit mehr als 7,6 Millionen Erwerbstätigen gebe es einen «historischen Beschäftigungshöchststand».

Der Chef der Regionaldirektion, Ralf Holtzwart, erklärte, der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Oktober sei «saisonüblich». Vor allem in der Gruppe der jungen Menschen gehe die Zahl der Jobsucher im Herbst kräftig zurück, weil diese eine Ausbildung oder ein Studium beginnen. Doch auch nach dem Start des Ausbildungsjahres gibt es in Bayern noch mehr als 16 000 unbesetzte Lehrstellen. Diesen stehen etwa 1000 junge Menschen gegenüber, die noch keinen Ausbildungsplatz haben. Ein Problem ist laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB), dass immer mehr Betriebe nur noch Bewerber mit mittlerem Schulabschluss oder Abitur wollten.

Dabei verdiene jeder junge Mensch einen guten Ausbildungsplatz – «unabhängig von Schulabschluss, sozialem Status oder Nationalität», sagte DGB-Bezirksjugendsekretär Andro Scholl. «All diejenigen, die über den Fachkräftemangel jammern, sind gut beraten, diese Potenziale auch zu nutzen und nicht leichtfertig zu vergeuden.»

In bestimmten Branchen müsse eine Ausbildung auch attraktiver werden. Ein Großteil der unbesetzten Lehrstellen komme aus dem Lebensmittelhandwerk, dem Einzelhandel und dem Hotel- und Gaststättengewerbe. Laut dem Ausbildungsreport der DGB-Jugend werde gerade in diesen Branchen die Ausbildungsqualität seit Jahren schlecht bewertet: Viele Lehrlinge seien im Schichtdienst tätig, leisteten regelmäßig Überstunden oder müssten rund um die Uhr erreichbar sein.

Die Zahl der neu gemeldeten Ausbildungsplätze hat derweil zugenommen. Im Ausbildungsjahr von September 2017 bis Oktober 2018 wurden fast 110 000 Lehrstellen neu gemeldet – 4,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wendeten sich 79 000 Bewerber an die Arbeitsagenturen – ein Minus von 2,4 Prozent. «Der Rückgang der Bewerberzahl ist vor allem in der geringer werdenden Zahl der Schulabsolventen begründet», sagte Holtzwart.

Die Zahl der Menschen mit einem regulärem Job nimmt derweil im Freistaat zu und liegt bei 5,6 Millionen. Gleichzeitig gibt es derzeit fast 133 600 offene Stellen. Knapp 30 Prozent der neuen Angebote stammen aus der Zeitarbeit. Es folgen der Handel und das verarbeitende Gewerbe.

Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der bayerischen Wirtschaft vbw, Bertram Brossardt, nannte vor allem den Fachkräftemangel als Problem für die Firmen. Der vbw rechnet bis zum Jahr 2023 mit rund 250 000 und bis 2030 mit mehr als 500 000 fehlenden Fachkräften.