Gut fünf Monate nach einem Gerangel an einem AfD-Infostand in Oberbayern ermittelt die Staatsanwaltschaft nicht mehr gegen drei vermeintliche Angreifer, sondern gegen das vermeintliche Opfer. Der damalige AfD-Bürgermeisterkandidat in der Gemeinde Rott am Inn, Michael Maurer, werde der falschen Verdächtigung verdächtigt, teilte die Staatsanwaltschaft Traunstein mit. Für Maurer, der nach dem Vorfall die vermeintlichen Angreifer wegen Körperverletzung angezeigt hatte, gilt die Unschuldsvermutung.
Es gebe nach den eingestellten Ermittlungen wegen Körperverletzung gegen die vermeintlichen Angreifer Anhaltspunkte, dass Maurer selbst eine verfolgbare Straftat begangen hat, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Das Verfahren gegen ihn stehe aber «noch ganz am Anfang», die Ergebnisse würden vor Abschluss sorgfältig geprüft. Maurer wollte auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur keine Stellung zu dem Verfahren nehmen. Er kenne die konkreten Vorwürfe nicht, wolle die Sache aber «auf sich beruhen lassen».
An der von der AfD zunächst vorgebrachten Version der Geschehnisse am 28. Februar waren schon früh wegen Videoaufnahmen, die von dem Rosenheimer Infostand stammen sollen, Zweifel aufgekommen. In diesem ist ein Gerangel zwischen mehreren AfD-Politikern und linken Aktivisten um ein Banner zu sehen, wobei der AfD-Kandidat zu Boden geht und sich das Knie hält.
So schildert nun die auch die Staatsanwaltschaft den Vorfall: Der AfD-Kandidat habe sich für einen kurzen Moment an der Rangelei beteiligt, dann sein Gleichgewicht verloren und sei nach vorn zu Boden gefallen, sagte eine Behördensprecherin. «Eine aktive Einwirkung auf den Kandidaten durch eine andere Person ist nicht festzustellen.»
So sei dem Mann kein Bein gestellt und er sei auch nicht am Boden liegend angegriffen worden, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Die der linken Szene zuzuordnenden Menschen hätten sich vielmehr passiv verhalten und von Maurer entfernt. Zwei unbeteiligte Zeuginnen hätten das bestätigt.
Der AfD-Landtagsabgeordnete und Rosenheimer Kreisverbandschef, Andreas Winhart, hatte nach Bekanntwerden des Videos gesagt, Maurer sei vorrangig durch das Ziehen und Drücken der Gegenseite zu Fall gekommen. Winhart war für eine Stellungnahme zum aktuellen Ermittlungsstand zunächst nicht erreichbar.
Quelle: dpa