Schwerer Kindesmissbrauch

Anklage wegen Livestream-Missbrauch von Kind auf Philippinen

13. April 2026 , 14:36 Uhr

Über einen Messenger-Dienst soll ein Deutscher eine Mutter auf den Philippinen angestiftet haben - es geht um schweren sexuellen Missbrauch ihrer Tochter im Livestream. Nun gibt es eine Anklage.

Ein Mädchen auf den Philippinen soll von einem Mann aus Mittelfranken drei Jahre lang schwer sexuell missbraucht worden sein – über einen Livestream. Nun hat die Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg Anklage gegen den 53-Jährigen erhoben. Demnach soll er unter anderem von Deutschland aus bei der Mutter des Kindes den Missbrauch in Auftrag gegeben und die Taten gegen Geldzahlung übers Internet mitverfolgt und auch angeleitet haben.

Kriminalitätsphänomen Live-Streaming

Die Zentralstelle spricht vom internationalen Kriminalitätsphänomen des «Live-Streamings». Dabei werde der Missbrauch Minderjähriger im Ausland gegen Bezahlung live übertragen oder anderweitig per Ton und Bild übermittelt. Der Missbrauch finde meist in wirtschaftlich schwachen Ländern statt, während die Täter in der Regel aus westlichen Ländern stammten, schreibt die Behörde. 

Mutter sollte filmen

Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler dauerte der Missbrauch von 2019 bis 2022, als das Mädchen zwischen acht und elf Jahre alt war. Über einen Messenger-Dienst soll der Angeschuldigte aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt laut Anklage Kontakt zur Mutter aufgenommen haben.

Für geringe Geldbeträge sollte die Frau demnach ihre Tochter filmen und fotografieren. Das Mädchen sollte dabei sexuelle Handlungen vornehmen, an sich selbst und an anderen Kindern und Erwachsenen. Später soll der Mann laut Anklage das Kind auch direkt zu sexuellen Handlungen aufgefordert haben.

Insgesamt 74 solcher Missbrauchsfälle lastet die Zentralstelle dem 53-Jährigen an. In zwei Fällen soll der Mann bei den Taten per Livestream zugesehen haben, sagte ein Behördensprecher. Überwiegend habe ihm die Mutter die Videos und Fotos danach zur Verfügung gestellt. 

In einem weiteren Fall soll der Mann laut Anklage auf die Philippinen gereist sein, um das Mädchen dort vor Ort selbst schwer sexuell zu missbrauchen. In zwei weiteren Fällen wirft ihm die Behörde vor, Fotos an einen Briten und an einen US-Amerikaner geschickt zu haben, «verbunden mit dem Hinweis, er könne ein Treffen auf den Philippinen arrangieren», so die Mitteilung. 

Festnahme vor einem Jahr

Eine Hilfsorganisation auf den Philippinen hatte australische Behörden auf den Fall aufmerksam gemacht. Im Dezember 2024 habe das Bundeskriminalamt die Kriminalpolizei Erlangen informiert. Nach Ermittlungen mit der Zentralstelle Cybercrime wurde der Verdächtige schließlich im Mai 2025 festgenommen. In seiner Wohnung wurden damals Mobiltelefone mit Aufnahmen entdeckt, die schweren sexuellen Missbrauch von Kindern zeigten, wie die Ermittler damals mitteilten.

Gibt es weitere Opfer?

Die Ermittlungen dauern nach Angaben eines Behördensprechers an, auch hinsichtlich möglicher weiterer Geschädigter des Angeschuldigten. Auch auf den Philippinen werde von den dortigen Behörden ermittelt.

Der 53-Jährige sitzt seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft. Das Landgericht Nürnberg-Fürth muss über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden.

Quelle: dpa

 

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