Große Pläne geplatzt

Aus für Düsseldorfs milliardenschweren Opern-Neubau

05. Juni 2026 , 16:22 Uhr

Das teure Neubauprojekt galt als umstritten. Jetzt zieht die Stadtspitze die Reißleine. Das Geld wird auch in der NRW-Landeshauptstadt knapp. Die Reaktionen reichen von Bestürzung bis Erleichterung.

Plötzlicher Abgesang der Stadtspitze, geschockte Mitarbeiter und erleichterte Steuerzahler: Das Prestigeprojekt eines milliardenschweren neuen Opernhauses in Düsseldorf fällt dem Spardruck zum Opfer. Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) habe entschieden, die weitere Planung für das neue Opernhaus zu stoppen, teilte die Stadt mit. 

Das alte Opernhaus soll nun saniert werden. «Die dafür vorgesehenen Maßnahmen waren bereits geplant und werden konsequent umgesetzt», heißt es. Der Spielbetrieb der Deutschen Oper am Rhein sei daher gesichert.

Als Grund für die Kehrtwende nannte die Landeshauptstadt die «aktuellen finanziellen Rahmenbedingungen», an denen sich die Investitionsplanung ausrichten müsse. «Die Entscheidung, die Planung für das Projekt Opernhaus der Zukunft zu stoppen, ist mir alles andere als leicht gefallen», sagte Keller. 

Wie die «Rheinische Post» aus Ratskreisen berichtet, rutsche die Stadt Düsseldorf in immer größere Finanzprobleme. Die neue Oper habe zwar einen Kostendeckel von einer Milliarde Euro, aber mit den Finanzierungskosten über 50 Jahre müsse man von insgesamt rund 1,8 Milliarden Euro ausgehen. Es stünden auch andere Ausgaben wie neue Schulen und eine neue Brücke an. 

Erleichterung beim Steuerzahler-Bund 

Der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen begrüßte die Entscheidung als überfällig. «Das ist nicht darstellbar. Das kann sich die Stadt nicht leisten und das kann sie sich auch absehbar nicht leisten», sagte Sprecherin Bärbel Hildebrand der dpa. Der ursprüngliche Plan, das alte Gebäude nur für einen kleinen Übergangszeitraum zu sanieren, wäre doppelt ausgegebenes Geld. 

Der Düsseldorfer Stadtrat hatte Ende 2021 einen Neubau des Opernhauses beschlossen, der nach früheren Angaben mindestens 716 Millionen Euro kosten sollte. Eine aufwendige Sanierung des bestehenden Opernhauses aus der Nachkriegszeit war zunächst verworfen worden. Für den Neubau des Opernhauses hatte es bereits einen Architekturwettbewerb gegeben. 

Bestürzung im Opernhaus

Für die Kultureinrichtung kam der Stopp überraschend: «Diese Nachricht ist ein Schock für alle Mitarbeitenden der Deutschen Oper am Rhein sowie die mit uns verbundenen Orchester und die vielen Künstlerinnen und Künstler, die hier auftreten und beschäftigt sind», sagte die geschäftsführende Direktorin der Deutschen Oper am Rhein, Alexandra Stampler-Brown, in einer Erklärung.

Es sei «viel Kreativität, Herzblut und Kraft» in die Planungen für das «Opernhaus der Zukunft» investiert worden, stellte sie fest. Es müsse geprüft werden, welche Optionen es für eine möglichst langfristige unterbrechungsfreie Aufrechterhaltung des Spielbetriebes im alten Opernhaus geben könne. 

Auch Sanierung kostet mehr Geld?

Laut der Operndirektorin werde das bisher eingeplante Budget hierfür nicht ausreichen. «Dieses war gedacht für die allernotwendigsten Maßnahmen, zielte aber natürlich nicht auf eine Nutzung des alten Opernhauses durch die Deutsche Oper am Rhein über die Mitte der 2030er Jahre hinaus», sagte sie.

Eine Auslagerung des Spielbetriebes ist während der Sanierung derzeit nicht geplant, wie eine Sprecherin der Oper mitteilte. Für die kommende Spielzeit 2026/27 hatte die Einrichtung gerade erst rund 260 Vorstellungen für beide Bühnen in Düsseldorf und Duisburg angekündigt. Die Zuschauerauslastung an dem Opernstandort Düsseldorf liege aktuell im Durchschnitt bei 77 Prozent. 

Insgesamt habe die Oper ab Herbst Aufwendungen von 67,3 Millionen Euro für beide Standorte für neue Spielzeit kalkuliert. Die geplanten Zuschüsse der Stadt Düsseldorf belaufen sich den Angaben zufolge auf 38 Millionen Euro.

Quelle: dpa

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