Eine Stadt sieht rot

Austoben bei der Tomatenschlacht in Spanien

26. August 2026 , 13:52 Uhr

Matschige Tomaten, tolle Stimmung: In der spanischen Kleinstadt Buñol verwandeln sich Straßen in ein rotes Schlachtfeld. Warum Tomaten gequetscht werden müssen und Teilnehmer Tauchermasken tragen.

Wer sich mal wieder so richtig gehen lassen möchte, Dampf ablassen, tun, was sonst verboten ist und ordentlich Spaß haben will, der wäre heute in der kleinen spanischen Stadt Buñol richtig am Platz. Denn dort steigt wie jeden letzten Mittwoch im August die traditionelle «La Tomatina», bei der sich Tausende Teilnehmer aus aller Welt mit tonnenweise matschigen Tomaten bewerfen. Ähnlich wie beim Karneval in Deutschland sind die Regeln des Alltags für kurze Zeit außer Kraft gesetzt, nur alles viel wilder, Anarchie in Rot. 

Eine Stunde lang bewarfen sich die rund 22.000 Teilnehmer – mehr sind in der Stadt mit nur 10.000 Einwohnern nicht erlaubt – mit den überreifen Früchten. Diese müssen nach dem Reglement vor dem Werfen in der Hand zerdrückt werden, damit es keine blauen Flecken oder Veilchen gibt. Als «Munition» wurden rund 150 Tonnen Tomaten in die Stadt im Osten des Landes gekarrt. Kritiker bemängeln jedes Jahr, für den Anbau würden Ackerflächen und viel Wasser verschwendet.

Größte Lebensmittelschlacht der Welt

Die Organisatoren beteuern jedoch, die roten Früchte seien eigens für das Fest angebaut und extra überreif geerntet worden. Für den menschlichen Verzehr seien sie wegen Konsistenz und Geschmack ungeeignet. Laut dem Guinness-Buch der Rekorde handelt es sich um die größte Lebensmittelschlacht der Welt. Finanziert wird das Ganze von der Stadt, durch die Eintrittspreise von 15 Euro und Sponsoren.

Die «Tomaten-Krieger» waren teils mit Tauchermasken ausgestattet, weil der Tomatensaft stark in den Augen brennt. Dafür soll die Säure der Tomaten reinigend und desinfizierend für die Haut der Teilnehmer und die Straßen sein. Schon kurz nach Beginn der «Schlacht» um 12.00 Uhr wurden der Hauptplatz und die Straßen Buñols rund 40 Kilometer westlich der Metropole Valencia von einer matschig-roten Brühe überzogen. 

Sobald nach einer Stunde Böllerschüsse das Ende der «La Tomatina» ankündigten, durften keine Tomaten mehr geworfen werden. Und nach guter Sitte halfen anschließend Teilnehmer dabei, nach der Schlacht die Straßen zu säubern. Freundliche Nachbarn und städtische Helfer befreiten Zugereiste per Gartenschlauch vom Tomatenmatsch.

Der Ursprung der kuriosen Tradition ist nicht ganz klar. Eine Version lautet, Jugendliche hätten sich 1945 während eines Festumzugs eine spontane Schlacht mit Gemüse geliefert. Im Laufe der vergangenen 20 Jahre wurde das Fest vor allem bei Ausländern so beliebt, dass die Teilnehmerzahl – die teilweise auf über 50.000 angestiegen war – 2013 erstmals auf 22.000 begrenzt wurde. Seither müssen zudem alle, die nicht in der Gemeinde gemeldet sind, Eintritt zahlen.

Quelle: dpa

 

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