Tötungen in Afghanistan?

Australien: Ex-Elitesoldat wegen Mordvorwürfen angeklagt

07. April 2026 , 09:56 Uhr

Einst gefeierter Kriegsheld, jetzt im Fokus der Justiz: Ein Australier soll in seiner Zeit als Elitesoldat Zivilisten in Afghanistan getötet haben. Ein historischer Prozess steht bevor.

Wegen des Verdachts schwerer Kriegsverbrechen ist in Australien der frühere Elitesoldat Ben Roberts-Smith festgenommen worden. Dem 47-Jährigen werden mehrere Morde an unbewaffneten Zivilisten und Gefangenen in Afghanistan vorgeworfen, wie die australische Bundespolizei (AFP) mitteilte. 

Wenige Stunden nach der Inhaftierung wurde Anklage in fünf Fällen von Kriegsverbrechen gegen ihn erhoben. Das Verfahren werde der «bedeutendste Militärprozess in der australischen Geschichte» werden, schrieb die Zeitung «Sydney Morning Herald». Der Fall ist im ganzen Land das Top-Thema.

Der hochdekorierte Veteran wurde am Morgen (Ortszeit) am Flughafen von Sydney von Beamten der Bundespolizei festgenommen, kurz nachdem er mit einem Flugzeug aus Brisbane gelandet war. Er befindet sich in Gewahrsam, eine Freilassung auf Kaution wurde zunächst abgelehnt. Am Mittwoch soll es eine Anhörung vor Gericht geben.

Was wird ihm konkret vorgeworfen?

Vorausgegangen waren fünfjährige Ermittlungen, bei denen auch viele Aussagen von Augenzeugen aus den Reihen der australischen Spezialeinheit SAS gesammelt wurden. Diese sollen belegen, dass Roberts-Smith zwischen 2006 und 2012 an mehreren Tötungen beteiligt gewesen sein soll. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, einen Zivilisten von einer Klippe gestoßen und später dessen Erschießung angeordnet zu haben sowie mindestens einen Gefangenen eigenhändig getötet zu haben. Auch sogenannte «Blooding»-Rituale – die gezielte Tötung von Gefangenen durch jüngere Soldaten auf Befehl – stehen im Raum.

Roberts-Smith, Träger des höchsten australischen Militärordens Victoria Cross, hat stets alle Vorwürfe bestritten. Die aktuellen Ermittlungen gehen auf eine jahrelange Untersuchung der Spezialeinheit «Office of Special Investigations» (OSI) zurück, die 2021 nach einem Bericht über mutmaßliche Kriegsverbrechen australischer Soldaten eingerichtet worden war. Dieser Bericht hatte Hinweise auf insgesamt 39 mutmaßliche unrechtmäßige Tötungen durch Angehörige der Spezialeinheiten geliefert, wie der «Sydney Morning Herald» schrieb. Es habe sich um hochkomplexe Ermittlungen gehandelt, sagte OSI-Direktor Ross Barnett. 

Lebenslange Haftstrafe droht

Sollte es zu einer Verurteilung kommen, droht Roberts-Smith eine lebenslange Haftstrafe. Zudem könnte ihm rückwirkend seine militärische Auszeichnung aberkannt werden.

International ist es nicht der erste Fall dieser Art: Auch in anderen Ländern wurden in den vergangenen Jahren immer wieder mutmaßliche Kriegsverbrechen von Soldaten juristisch aufgearbeitet. So wurde etwa in den USA ein Verfahren gegen den Navy-Seal-Soldaten Eddie Gallagher geführt, der wegen Taten im Irak angeklagt war. Er wurde später von einer Jury freigesprochen.

Quelle: dpa

Australien Justiz Konflikte Kriminalität Militär

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