Champions League

Barcala und die Bayern-Frauen: bis zum Mond?

01. Mai 2026 , 08:18 Uhr

Vincent Kompany kennt längst ganz Fußball-Deutschland. Wer aber ist José Barcala, der mit den Frauen des FC Bayern ebenfalls noch das Triple gewinnen kann?

Bei Vincent Kompany könnte sich sein Bayern-Trainerkollege José Barcala noch ein paar Tipps holen: Wie coacht man sein Team in einem Champions-League-Kracher – ohne selbst auf der Bank zu sitzen? Wegen einer Sperre ist der Spanier im Halbfinal-Rückspiel von Münchens Fußballerinnen beim FC Barcelona ebenso auf die Tribüne verbannt, wie es Kompany bei den Männern in Paris war.

Nach dem 1:1 im Hinspiel, als der protestierende Barcala nach der Aufregung um das Zopf-Ziehen von Franziska Kett ebenso wie die Nationalspielerin Rot sah, treten die deutschen Meisterinnen im legendären Camp Nou an. Die Devise für Sonntag (16.30 Uhr/ZDF und Disney+) gibt DFB-Kapitänin Giulia Gwinn aus: «Kein bisschen verstecken, sondern Vollgas.» 

Sonderlob von Wück für seinen Trainerkollegen 

Noch nie standen die Bayern-Frauen im Endspiel. Dass sie überhaupt so weit gekommen sind, ist auch ein großer Verdienst Barcalas, der gegen Spaniens Starensemble von Clara Schöne oder Kjetil Lone offiziell vertreten wird. Nicht nur Bundestrainer Christian Wück sieht «eine unheimlich gute Entwicklung mit dem neuen Trainer». Die Leistungen des deutschen Meisters «auf höchstem Niveau» seien auch fürs Nationalteam von größter Bedeutung. 

Dabei hatte die Königsklassen-Saison für Barcala und seine Spielerinnen mit einer Lehrstunde begonnen – 1:7 in Barcelona. «Es war eine der schlimmsten Nächte meines Lebens», erinnerte sich der 44-Jährige. Und dennoch haben die Münchnerinnen jetzt die Chance auf ihr erstes Triple. Im DFB-Pokal-Finale am 14. Mai in Köln wartet noch der zuletzt abgehängte Dauerrivale VfL Wolfsburg. 

«Manchmal ist Stille wichtiger als jedes Wort» 

Fest steht: Barcala hat die Münchnerinnen spielerisch vorangebracht und sich einen Namen gemacht. Der gebürtige Galicier kam als Meistermacher von Le Servette Football Club Chênois Féminin aus der Schweiz. Als Nachwuchstrainer und später bei den Frauen ist er schon viel herumgekommen: Deportivo La Coruña (Spanien), Universität von Queensland und Brisbane Roar (Australien), Girondins Bordeaux (Frankreich), FC Aarau (Schweiz), Schottlands Nationalteam.

Im Gegensatz zu seinem impulsiven Vorgänger Alexander Straus gilt Barcala eher als ein Mensch der sanften Töne. «Manchmal ist Stille wichtiger als jedes Wort». So lautet ein Credo von ihm.

«Nie so, dass jemanden zusammenfaltet»

«Er ist menschlich einfach eine sehr, sehr angenehme Person, was uns generell als Team guttut. Selbst nach dem 1:7 gegen Barça ist er so ruhig geblieben und hat sich nur umso mehr an die Arbeit gemacht. Es ist bei ihm nie so, dass er in der Halbzeit jemanden zusammenfaltet», sagte Linda Dallmann der dpa. «Er ist einfach jemand, der eine extreme Ruhe ausstrahlt.»

Nach Ketts Platzverweise gegen Barça aber war das anders. «Ich bin kein Trainer, der sich bei den Schiedsrichtern beschwert und Druck ausübt», verteidigte sich Barcala. «Ich habe einfach protestiert, ohne etwas zu sagen, ich habe einfach geschrien, und ich glaube, dass ich diese Gelbe Karte verdient habe, aber keine Rote. Ich denke, das ist völlig unfair.» Diese Woche entschuldigte er sich für seinen Ausbruch: «Das ist nicht mein Stil.»

«Bis zum Mond kommen»

Dass er selbst mit im Mittelpunkt steht, ist eher ungewöhnlich. Barcala lässt ansonsten keine Gelegenheit aus, sein Team in den Vordergrund zu stellen und lobte auch mehrfach seinen Vorgänger, der ihm «ein fantastisches Fundament» hinterlassen habe. Und er nimmt sich selbst in die Pflicht: «Wenn wir als Staff in der Lage sind, mit einem klaren Plan vor diese Spielerinnen zu treten, dann können sie mit der Qualität, die sie haben, bis zum Mond kommen.» 

Das Team habe eine unglaubliche Reife, sagte Vater von zwei Mädchen kürzlich, «aber das Schönste ist, auf meine Spielerinnen zu schauen und zu sehen, wie sie sich umeinander kümmern und gegenseitig schützen.»

Quelle: dpa

 

Bayern Champions League Deutschland FC Barcelona FC Bayern München Frauen Fußball

Das könnte Dich auch interessieren

26.04.2026 Debatte ums Zopf-Zupfen: Wut und Hoffnung bei Bayern-Team Das Halbfinal-Duell zwischen den Bayern-Fußballerinnen und Favorit Barcelona entzündet eine haarige Debatte. Die Münchner Torschützin braucht am Ende Trost. 24.04.2026 Aus 1:7 gelernt: Bayern-Frauen glauben an Coup gegen Barça Die Fußballerinnen des FC Bayern stehen erstmals seit 2021 wieder im Halbfinale der Champions League. Dort wartet ein Über-Team. Aber die deutschen Meisterinnen sind selbstbewusst. 03.04.2026 Bayern-Fußballerinnen auch gegen Barça in Allianz Arena Mit der Allianz Arena sind die Fußballerinnen des FC Bayern noch nicht ganz warm geworden. In der Champions League wollen sie aber vor einer großen Kulisse einen Schritt in Richtung Finale machen. 23.04.2026 Das Bayern-Duo für Großtaten: Gwinn/Bühl bereit für Barça Besser hätten Giulia Gwinn und Klara Bühl nach ihren Verletzungen nicht zurückkehren können. Aus einem Spaß wurde Ernst - und der Siegtreffer zum Meister-Titel. Nun wartet aber eine Monster-Aufgabe.