Geschichte

Bayern gibt Raubkunst-Gemälde zurück

18. Juni 2026 , 14:10 Uhr

Bayern steht wegen seines Umgangs mit NS-Raubkunst immer wieder in der Kritik. Nun gibt der Freistaat ein von den Nationalsozialisten geraubtes Gemälde an die rechtmäßigen Besitzer zurück.

Bayern gibt ein Gemälde von Friedrich von Amerling an seine rechtmäßigen Besitzer zurück. Das Werk «Bildnis eines jungen Mannes» soll an die Erben des jüdischen Antiquars und Kunsthändlers Jacques Rosenthal und seiner Frau Emma restituiert werden, wie die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München mitteilten. Die Rückgabe sei das Ergebnis intensiver Provenienzforschung und «ein weiterer wichtiger Schritt in der Aufarbeitung nationalsozialistischer Enteignungen».

Rosenthal hatte nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten den Angaben zufolge 1935 die Anweisung der Reichskulturkammer bekommen, das Antiquariat innerhalb von vier Wochen zu schließen. Er beschloss, das Unternehmen vor der Zwangsschließung zu verkaufen. 

Zwangsschließung und Verkauf der Besitztümer

Während einige Familienmitglieder ins Exil gingen, blieben Jacques und seine Ehefrau Emma Rosenthal in München und zogen nach dem Verkauf ihres Hauses in ein Hotel. «Ihr gesamtes Mobiliar wurde verkauft oder weit unter Wert veräußert», teilten die Staatsgemäldesammlungen über das Ergebnis der Provenienzrecherche mit. 

Das Amerling-Gemälde gaben die Rosenthals demnach bei einem Kunsthändler in Kommission, von dem aus wiederum es durch ein Tauschgeschäft in die Münchner Pinakotheken gelangte. 350 Reichsmark bekam Emma Rosenthal für das Bild, das damals mindestens das Siebenfache wert gewesen sein soll. 

«Mit der Rückgabe des Kunstwerks würdigen der Freistaat Bayern und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen das Verfolgungsschicksal der Familie Rosenthal», sagte der Leiter der Staatsgemäldesammlungen, Anton Biebl. «Auch mehr als acht Jahrzehnte nach der NS-Herrschaft bleibt die Aufarbeitung nationalsozialistischen Unrechts eine dauerhafte Verpflichtung», sagte Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU). 

Bayern wegen Rückgabepolitik in der Kritik

Bayern stand wegen seiner Rückgabepolitik lange in der Kritik – vor allem, nachdem Missstände in den Staatsgemäldesammlungen durch Presseberichte bekanntgeworden waren. Dabei ging es zunächst vor allem um den Umgang der Sammlung mit möglicher NS-Raubkunst – also Werken, die jüdischen Eigentümern im Nationalsozialismus weggenommen oder unter Zwang abgepresst wurden.

Die Prüfung solcher Verdachtsfälle wurde als intransparent und schleppend kritisiert, sogar von Vertuschung war damals die Rede. Der langjährige Generaldirektor der Staatsgemäldesammlungen, Bernhard Maaz, musste im Zuge der Debatte gehen, sein Nachfolger ist seitdem der Jurist Biebl.

Quelle: dpa

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