Debatte um Fördermittel

Berlins Kultursenatorin Wedl-Wilson bittet um Entlassung

24. April 2026 , 10:24 Uhr

Die Vergabe von Fördermitteln für Projekte gegen Antisemitismus sorgt in Berlin schon länger für Wirbel. Nach harscher Kritik des Rechnungshofs zieht Berlins Kultursenatorin Wedl-Wilson Konsequenzen.

Fünf Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus muss der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) noch einmal seine Regierung umbilden. Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson will im Zusammenhang mit der umstrittenen Vergabe von Fördermitteln gegen Antisemitismus zurücktreten. Sie habe Wegner um ihre Entlassung gebeten, teilte die parteilose Politikerin mit.

Sie habe sich dazu entschlossen, um Schaden von dem wichtigen Kampf gegen zunehmenden Antisemitismus in Berlin abzuwenden, sagte Wedl-Wilson zur Begründung. Sie gehe diesen Schritt aus Verantwortung gegenüber der Stadt Berlin und ihren Bürgern.

Scharfe Kritik des Rechnungshofes

Der Berliner Landesrechnungshof hatte am Donnerstag die Förderung einer Reihe von Projekten im Bereich der Antisemitismusprävention in Millionenhöhe als rechtswidrig bewertet. In einem Prüfbericht kam er zu der Einschätzung, dass die Kulturverwaltung mit ihren Verfahren zur Bearbeitung und Auszahlung bestimmter Förderanträge gegen die Landeshaushaltsordnung und andere Regeln verstoßen habe. 

«Die betreffenden Zuwendungsbescheide hätten auf dieser Grundlage nicht erlassen werden dürfen», erklärten die Rechnungsprüfer. Sie attestierten der Kulturverwaltung unter anderem fehlende Förderkriterien und eine willkürliche Auswahl der Projekte. Nötige fachlich-inhaltliche Prüfungen hätten nicht stattgefunden. 

Wedl-Wilson hatte die Mittel freigegeben, nachdem CDU-Abgeordnete zuvor auf eine rasche Förderung der von der Fraktion benannten Projekte gedrängt hatten. Grüne und Linke werfen namentlich zwei CDU-Abgeordneten in dem Zusammenhang unzulässige Einflussnahme vor, was diese zurückweisen. Ein im Dezember eingesetzter Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses beschäftigt sich mit den Vorwürfen. 

Noch kein Jahr im Amt 

Die in Großbritannien geborene Wedl-Wilson wurde am 22. Mai 2025 als Senatorin ernannt, sie ist also noch kein Jahr im Amt. Vorgänger Joe Chialo (CDU) war Anfang Mai 2025 zurückgetreten und hatte seinen Schritt mit dem Ausmaß damaliger Kürzungen im Kulturbereich begründet.

Für Berlins Regierungschef Wegner, der eine Koalition von CDU und SPD anführt, ist es bereits der dritte Rücktritt eines Senatsmitglieds seit Amtsantritt im April 2023. Vor Chialo hatte Ende April 2024 bereits Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) ihr Amt aufgegeben, nachdem ihr die Universität Rostock im Zuge einer Plagiatsaffäre den Doktortitel entzogen hatte. 

Am 20. September wird in Berlin ein neues Abgeordnetenhaus gewählt.

Quelle: dpa

Berlin Deutschland Finanzen Gesellschaft Haushalt Kulturpolitik Personalien Senat

Das könnte Dich auch interessieren

30.04.2026 Gericht untersagt Weimers Äußerung zu Berliner Buchladen Der Deutsche Buchhandlungspreis würdigt die Rolle kleiner Buchläden. Diesmal greift der Kulturstaatsminister ein. Das sorgt für Kritik und beschäftigt die Justiz. Eine erste Entscheidung liegt vor. 30.04.2026 Sind Fans die neuen Journalisten? Fans kommen plötzlich zu Pressekonferenzen von Filmen und dürfen neue Songs ihrer Stars exklusiv vor Journalisten hören. Über einen Machtwechsel in der Popkultur. 29.04.2026 Klingbeils Haushaltsplan mit Lücken – als «Aufwärmübung» Das Kabinett bringt den Haushalt 2027 auf den Weg. Viele Maßnahmen aber sind noch gar nicht beschlossen – und die Ausgaben steigen in die Höhe. Müssen manche Ressorts über ihre Schmerzgrenzen? 28.04.2026 Studie: Jungen haben viel weniger Bildungschancen Der neue «Chancenmonitor» bestätigt: Kinder reicher Eltern mit Abitur haben eine deutlich bessere Ausgangsposition. Neu ist diesmal der Blick auf die Schieflage zwischen den Geschlechtern.