Heikle Karibikreise

Britischer König erkennt «großes Leid» der Sklaverei an

28. Oktober 2026 , 03:26 Uhr

Millionen Afrikaner wurden einst auf englischen Schiffen verschleppt. Karibische Staaten fordern Aufarbeitung und Wiedergutmachung. Was der König dazu sagt.

Der britische König Charles III. hat das heikle Thema der Sklaverei während der britischen Kolonialzeit gleich zum Auftakt seiner neuntägigen Karibikreise auf den Bahamas angesprochen. «Wir wissen, dass einiges von dem, was heute das Beste an der bahamaischen Kultur ausmacht – das Fröhlichste, das Hoffnungsvollste, das Strahlendste -, aus der Dunkelheit hervorgegangen ist», sagte der Monarch bei einer Veranstaltung mit jungen Menschen in der Hauptstadt Nassau.

Es sei nur recht und billig, «das große Leid und die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit auf diesen Inseln und darüber hinaus anzuerkennen», sagte der Monarch im Clifford Park in Nassau – ohne sich allerdings dafür zu entschuldigen. Eine kleine Gruppe von Demonstranten protestierte in der Umgebung mit Plakaten mit der Forderung: «Zahlt uns, was ihr uns schuldet», wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete.

Besonders im 18. Jahrhundert war Großbritannien eine führende Sklavenhandelsmacht. Im Rahmen des transatlantischen Menschenhandels wurden Schätzungen zufolge rund drei Millionen Afrikaner von englischen Schiffen in die Karibik sowie nach Nord- und Südamerika transportiert.

Aufarbeitung des kolonialen Erbes und Wiedergutmachung gefordert

Das Erbe der Kolonialzeit soll laut dem König an der letzten Station seiner Reise in Antigua und Barbuda von Regierungschefs der betroffenen Staaten behandelt werden. Dort nimmt der König am Gipfeltreffen des Commonwealth teil, einem losen Zusammenschluss von 56 unabhängigen Staaten, bei denen es sich mehrheitlich – aber nicht nur – um ehemalige Kolonien des einstigen britischen Empires handelt.

Der 77 Jahre alte König wurde auf den Bahamas feierlich empfangen. Das bislang letzte Mal, dass Charles das Land besuchte, war vor mehr als 50 Jahren, als die Bahamas 1973 unabhängig wurden, wie Ministerpräsident Philip Davis sagte. «Es erfüllt mich mit großem Stolz, ihn heute wieder bei uns begrüßen zu dürfen», schrieb der Regierungschef der Bahamas auf der Plattform X.

Die Reise des Königs umfasst die Bahamas, Guyana und den Inselstaat Antigua und Barbuda. Königin Camilla (79) begleitet ihn beim letzten Teil der Reise. Seit Jahren fordern karibische Staaten eine Aufarbeitung der britischen Rolle im transatlantischen Sklavenhandel und Wiedergutmachung. Zuletzt wurden die Forderungen deutlicher.

Quelle: dpa

 

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