Autobiografie

Christina Applegate legt ein Leben voller Gewalt offen

15. Oktober 2026 , 06:46 Uhr

Als Kelly Bundy brachte Christina Applegate Millionen zum Lachen. In ihrer Autobiografie entblößt sie nun ein von Missbrauch und Gewalt geprägtes Leben.

Ruhm, Erfolg und zahlreiche Auszeichnungen: Von außen betrachtet hat Christina Applegate alles erreicht, wovon viele Schauspieler träumen. Doch in ihrer nun erschienenen Autobiografie «Du mit den traurigen Augen» zeichnet die 54-Jährige ein ganz anderes Bild ihres Lebens. Sie erzählt von Missbrauch, Drogen und Gewalt, von zerstörerischen Beziehungen und ihrem heutigen Kampf mit Multipler Sklerose.

Auf gut 320 Seiten reiht sich eine erschütternde Erinnerung an die nächste. Nachdem der Vater die Familie früh verlässt, zieht der heroinabhängige Partner ihrer Mutter bei ihnen ein. Der habe ihr «sogar die Müsli-Löffelchen verkokelt, wenn er sich einen Schuss setzte». Auch die Mutter der Schauspielerin gerät in der Beziehung in eine Heroinabhängigkeit, aus der sie sich erst Jahre später und nach einem Suizidversuch befreit. Im Alter von fünf Jahren wird sie nach eigener Darstellung von einem älteren Mädchen sexuell missbraucht.

Beruflicher Höhepunkt, persönlicher Tiefpunkt

Schon als Kind, schreibt Applegate, habe sie die Familie mit ihren Jobs über Wasser gehalten. Weltweite Bekanntheit erlangte Applegate dann durch ihre Rolle als Kelly Bundy in der Sitcom «Eine schrecklich nette Familie». Die Schauspielerei habe sie immer am Leben gehalten, schreibt sie. Doch ihre dominierende Erinnerung aus der Zeit ist nicht der Erfolg der Serie, sondern der damalige Tiefpunkt ihrer Essstörung und eine von psychischer Gewalt und Kontrolle geprägte Beziehung. Sie beschreibt eine Szene, in der sie sich auf eine Flugzeug-Toilette stiehlt, dort zwei Garnelen isst, und dann von ihrem Partner gemaßregelt wird.

In dem beim Hannibal-Verlag erschienenen Buch zitiert sie immer wieder aus ihren umfangreichen Tagebüchern. Applegate selbst sagt, sie schreibe das Buch, um Menschen zu zeigen, dass man es auch zu etwas bringen könne, obwohl man ein Leben voller furchtbarer Erlebnisse gelebt habe. Mit ihrem öffentlichen Image will sie abrechnen. Sie habe ein Leben gelebt, in dem auf große Erfolge immer wieder schwere Rückschläge gefolgt seien: «Ich schaffte es endlich an den Broadway und zog mir dann eine fürchterliche Verletzung zu; ich erhielt bei „Dead to Me“ die Rolle meines Lebens und fand mitten bei den Dreharbeiten heraus, dass ich an MS erkrankt war.»

MS ist eine chronisch-entzündliche, bislang unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems, die unter anderem zu Schmerzen, Lähmungserscheinungen und starken Erschöpfungszuständen führen kann.

Kampf mit der Krankheit

Die Diagnose erhielt die Schauspielerin 2021, einige Jahre, nachdem sie sich nach einer Brustkrebsdiagnose beide Brüste hatte entfernen lassen. Ihre Tage verbringe sie nun hauptsächlich im Bett, so sei ihr «Leben zur Größe einer California-King-Matratze» geschrumpft. Selbst der Griff nach einem Wasserglas sei häufig beschwerlich. Ihren Körperteilen hat sie eigene Namen gegeben, um sie anzuschreien, wenn der Schmerz zu viel wird. An den meisten Tagen gleiche ein Gang durchs Zimmer dem Erklimmen eines Berges.

Trotz dieser massiven körperlichen Einschränkungen sei sie nun endlich frei, zu zeigen, wer sie wirklich sei, schreibt sie. Die Krankheit habe sie gezwungen, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. «Ich bin endlich frei, um mein wahres Ich preiszugeben. Und dabei hoffe ich ein wenig, dass auch Sie mit einigen Erlebnissen aus Ihrer Vergangenheit abschließen können.»

Quelle: dpa

 

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