Champions League

Rassismus-Wirbel um Vinícius Junior: «Schande für Fußball»

18. Februar 2026 , 16:58 Uhr

Nach dem Sieg von Real Madrid bei Benfica Lissabon steht Vinícius Junior im Zentrum eines angeblichen Rassismus-Vorfalls. Kylian Mbappé fordert eine Knallhart-Strafe. Der Beschuldigte wehrt sich.

Real-Star Vinícius Junior war weder von Benfica-Trainer José Mourinho noch von Teamkollege Kylian Mbappé zu beruhigen. Aufgebracht prangerte der Siegtorschütze von Madrids 1:0-Erfolg in Lissabon an, von Benfica-Profi Gianluca Prestianni rassistisch beleidigt worden zu sein. Der Vorfall im Playoff-Hinspiel der Champions League wird die Europäische Fußball Union UEFA noch weiter beschäftigen.

«Rassisten sind vor allem Feiglinge. Sie müssen sich das Trikot in den Mund stopfen, um ihre Schwäche zu demonstrieren», klagte Vinícius Junior bei Instagram an. Er möge es nicht, sich in solchen Situationen zu befinden, äußerte sich der frühere Weltfußballer. «Erst recht nicht nach einem großartigen Sieg, und wenn die Schlagzeilen eigentlich Real Madrid gelten sollten, aber es war notwendig», erklärte Vinícius Junior.

Trikot verbirgt Worte

Eine Woche vor dem Rückspiel im Bernabéu-Stadion geriet der sportliche Wert des Erfolgs durch das traumhafte Tor des Brasilianers angesichts des Rassismus-Vorwurfs in den Hintergrund. Nachdem Vini Jr. seinen Treffer kurz nach der Halbzeit-Pause mit einem Tänzchen an der Eckfahne gefeiert hatte, verloren einige die Nerven. Der argentinische Benfica-Profi Prestianni zog sich vor einer verbalen Auseinandersetzung das Trikot über den Mund – fielen da rassistische Beleidigungen?

«Wenn man sich beim Sprechen den Mund mit dem Shirt bedeckt, will man offensichtlich etwas wirklich Hässliches sagen», sagte Real-Star Federico Valverde. «Er hat ein Wort gesagt, das man niemals verwenden sollte. Was er gesagt hat, war erbärmlich. Es ist wirklich, wirklich schlimm.» Mehreren Medienberichten und auch Spielern von Real zufolge soll Vinícius Junior angegeben haben, dass das Wort «mono» fiel – ein spanischer Ausdruck für Affe.

Beschuldigter bestreitet rassistische Beleidigung

Prestianni bestritt eine rassistische Beleidigung. «Ich möchte klarstellen, dass ich zu keinem Zeitpunkt rassistische Beleidigungen gegen Vinícius Junior gerichtet habe, der leider das, was er zu hören glaubte, falsch interpretiert hat», erklärte der 20-Jährige auf Instagram. Er sei niemals rassistisch gegenüber irgendjemandem gewesen und bedauere, dass ihn Real-Spieler bedroht hätten.

Schiedsrichter François Letexier aus Frankreich hatte nach der Vinícius-Junior-Beschwerde die Partie am Dienstagabend im Estádio da Luz für mehrere Minuten unterbrochen. Mit gekreuzten Armen hatte er angezeigt, dass das Anti-Rassismus-Protokoll der UEFA durchlaufen wird. Die UEFA prüft den Vorfall. Über mögliche Disziplinarmaßnahmen wird danach entschieden.

Ungeachtet der laufenden Untersuchungen zeigte sich FIFA-Präsident Gianni Infantino bereits jetzt «schockiert und traurig», wie der Chef des Fußball-Weltverbands bei Instagram schrieb: «Es gibt absolut keinen Platz für Rassismus in unserem Sport und in der Gesellschaft.» Es müssten Maßnahmen ergriffen werden, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, forderte Infantino. 

Mbappé fordert harte Strafe

«Jetzt haben sie einen ernstzunehmenden Fall, und ich hoffe, sie unternehmen etwas», sagte Mbappé. «Wir können nicht akzeptieren, dass sich ein Spieler, der in Europas wichtigstem Wettbewerb spielt, so verhält. Dieser Kerl hat es nicht mehr verdient, in der Champions League zu spielen, aber wir werden sehen, was passiert.» Abwehrspieler Trent Alexander-Arnold bezeichnete die mutmaßlichen Beleidigungen als «Schande für den Fußball». Vinícius Junior war in seiner Karriere wiederholt rassistischen Beleidigungen ausgesetzt.

Nach Ansicht von Mourinho hat der 25-Jährige auch seinen Anteil daran, dass ausgerechnet er so oft im Fokus von Anfeindungen steht. «Ich habe ihm gesagt, wenn Du so ein Tor schießt, feiere einfach und gehe zurück», sagte der frühere Real-Trainer. Der Portugiese nahm Benfica gegen den Verdacht des Rassismus in Schutz und sagte, er habe Vinícius Junior an den legendären Torjäger Eusebio erinnert: «Der größte Mensch in der Geschichte dieses Clubs war schwarz.»

Immer wieder Wirbel um Vinícius Junior

Vinícius polarisiert mit seinen Auftritten. In Spanien wird er immer wieder in den Stadien beschimpft und beleidigt. Im Vorjahr waren mehrere Fans wegen rassistischer Beleidigung des Offensivstars verurteilt worden, auch zu Haftstrafen auf Bewährung. Einige sollen eine braune aufblasbare Puppe mit einem Vinícius-Trikot an einer Brücke aufgehängt haben, andere den Profi der Königlichen während eines Ligaspiels beleidigt haben. 

Die Urteile waren nach Ansicht der spanischen Profiliga ein «Meilenstein», da es sich um die erste Verurteilung in Spanien handelte, «die rassistische Beleidigungen in Stadien als Hassverbrechen einstuft».

 

Zuspruch für Vinícius Junior gab es nicht nur von Teamkollegen und Trainern. Auch der britische Formel-1-Rekordweltmeister Lewis Hamilton meldete sich zu Wort und schrieb bei Instagram: «Wir sind bei Dir, Vini Jr.»

Quelle: dpa

 

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