Theater

«Faust I» in Salzburg: Tanz eines Verzweifelten

26. Juli 2026 , 00:25 Uhr

Faust ist Weltliteratur. Faust ist modern - als Zweifler, Suchender, Gieriger. Regisseur Ulrich Rasche hat den Stoff für die Festspiele neu inszeniert. Er verzichtet auf viele bekannte Szenen.

Mit großem Applaus ist die Inszenierung von «Faust I» bei den Salzburger Festspielen aufgenommen worden. Regisseur Ulrich Rasche vertraute auf die von ihm bekannte Drehbühne und versetzte so alle fünf Darsteller des überragenden Ensembles in ständige Bewegung. In der dreieinhalbstündigen Aufführung glänzen Steven Scharf als Faust, Valery Tscheplanowa als Mephistopheles, Anna Drexler als Margarete, Johannes Nussbaum als junger Faust und Max Rothbart als Valentin. 

Die Inszenierung auf der Perner-Insel in Hallein – eine Koproduktion mit dem Residenztheater in München – verzichtet auf bekannte Szenen wie Auerbachs Keller, den Osterspaziergang und die Hexenküche. Sie ist geprägt von großer Langsamkeit und wagt die Nähe zur Monotonie. Die Verse der weltberühmten Tragödie von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) werden oft bedächtig vorgetragen. Der lückenlose Klangteppich sphärischer Musik verstärkt im Idealfall die Wirkung eindringlicher Bilder und intensiver Momente. 

Körperbewegungen unterstreichen die Verse 

Schon zu Beginn wird klar, dass die Körperbewegungen den Text in seinen Aussagen unterstreichen sollen. Faust geht zum Auftakt als Sinnbild seiner Zerrissenheit minutenlang äußerst ungelenk und kantig über die Bühne. 

Als Gelehrter ist er verzweifelt darüber, dass sein Streben nach Erkenntnis wohl nicht der Sinn seines Lebens sein kann. «Da steh‘ ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.» Der fast logische Pakt mit dem Teufel Mephistopheles soll für Abhilfe in Form von Genuss und Leidenschaft sorgen.

Videowände sorgen für Korridor-Falle

Rasche hatte im Vorfeld angekündigt, den «Innenraum» von Faust zeigen zu wollen. Deshalb habe er sich für ein spezielles Bühnenbild entschieden: Zwei überdimensionale bewegliche Leucht- und Videowände können fallweise einen Korridor bilden. Dieser Raum bietet keine Ausflucht, sondern zwingt laut Regisseur zur Konfrontation mit sich selbst. 

Tatsächlich kann Faust als moderne Figur gelesen werden. Der Gelehrte wirkt wie ein Prototyp des Grenzen verachtenden Selbstoptimierers, der keine wirkliche Zufriedenheit mit dem Erreichten findet. «Die permanente Steigerung ersetzt die Fähigkeit zur Bindung», meint Rasche. Im Münchner Residenztheater feiert das Stück am 6. November Premiere.

Quelle: dpa

 

Deutschland Festspiele Österreich Theater

Das könnte Dich auch interessieren

23.07.2026 «Jedermann»-Star Hochmair sehnt sich nicht nach Familie Der österreichische Schauspieler Philipp Hochmair hat große Ausstrahlung und Energie. Er sagt, ein klassisches Familienleben komme für ihn nicht infrage. Seine Familie sehe anders aus. 20.07.2026 Warum dieser Mann bei der Arbeit unsichtbar sein muss Hinter den Kulissen der Bregenzer Seebühne sorgt Bühnenmeister Sami Kyllönen mit seinem Team dafür, dass die Oper reibungslos abläuft - auch bei Wind und Wetter. 18.07.2026 Nibelungen-Festspiele mit «Die Hunnenkönigin» eröffnet Kriemhilds Rache auf der Freilichtbühne: Das historische Drama um Verrat und Untergang feiert Premiere am Rhein. Die Musik kommt von einer bekannten Sängerin. 02.07.2026 Tom Neuwirth kehrt als Todesengel auf die Bühne zurück Tom Neuwirt, bekannt als Conchita Wurst, schlüpft erneut in die Rolle des Todesengels im Musical «Romeo & Julia – Liebe ist alles». Was den Künstler an dieser Figur und dem Gastspiel fasziniert.