Fernsehgeschichte

Film «Was haben wir gelacht» - Schockierendes Zeitdokument

15. Juli 2026 , 07:00 Uhr

Mit «Was haben wir gelacht» kommt ein beeindruckender Dokumentarfilm über Frauen im deutschen Unterhaltungsfernsehen ins Kino. Er zeigt vor allem, was Humor mit Macht zu tun hat.

Irgendwann wird es Esther Schweins zu viel und sie kann ihre Tränen nicht zurückhalten. Es sind wohl Tränen der Wut, denn sie bezeichnet Harald Schmidt mit einem nicht sonderlich schmeichelhaften Schimpfwort. 

Auslöser ist eine Szene aus Schmidts Show, in der er Moderatorin Bettina Böttinger mit einer Klobrille verglich – und Böttingers verletzte Reaktion darauf. Er hatte gefragt, was die Zeitschrift «Emma», eine Flasche Eierlikör, eben jene Klobrille und Böttinger gemeinsam haben. Seine Antwort: «Die würde kein Mann freiwillig anfassen.»

Der wütend-traurige Ausbruch von Esther Schweins ist der emotionale Höhepunkt des Films «Was haben wir gelacht», der jetzt in die Kinos kommt. Der Dokumentarfilm von Eva Müller und Isabelle Schneider, der auf dem Filmfest München seine Weltpremiere feierte, befasst sich mit der Frage, wie es für Frauen war im deutschen Showgeschäft der 1990er und frühen 2000er Jahre und wie hart der Kampf um Sichtbarkeit im Comedy-Geschäft. 

Humor ist Macht

Davon erzählen – neben Schweins, die mit «RTL Samstag Nacht» ihren Durchbruch hatte, und Böttinger – die Schauspielerin und Kabarettistin Maren Kroymann und die Komikerinnen Gaby Köster und Hella von Sinnen. Sie alle erinnern sich daran, wie es war, in einer männerdominierten Branche für die Sichtbarkeit von Frauen zu kämpfen und für weiblichen Humor. Denn Humor, das stellten sie alle fest, bedeutet Macht. Wer entscheidet, worüber gelacht wird, hat die Deutungshoheit. 

«Heute fällt viel stärker auf als damals: Es waren vor allem Männer. Der Witz um 20.15 Uhr war dem Mann vorbehalten», schreiben die Regisseurinnen über ihren Film.

Als «eine Zeit, in der Frauen im Fernsehen vor allem Beiwerk waren, als Pointen dienten und weiblicher Humor als Quotenkiller galt» beschreibt die Produktionsfirma den Film sehr treffend. Er ist das Dokument einer noch gar nicht so lange vergangenen Zeit, in der ganze Generationen durch ausschließlich männlich geprägtes Unterhaltungsfernsehen sozialisiert worden waren – von Schmidt, Gottschalk, Stefan Raab – und der männliche Blick dominierte. 

Thomas Gottschalk und die Hand auf dem Knie

Die inzwischen berüchtigten Hand-aufs-Knie-Szenen auf Thomas Gottschalks «Wetten, dass..?»-Couch sahen schließlich Show für Show Millionen von Zuschauern, ohne sich damals irgendwie daran zu stören. Heute sind die Szenen, vor allem in der Geballtheit, in der der Film «Was haben wir gelacht» sie zeigt, nur noch sehr schwer zu ertragen. Schlimmer ist da nur eine Szene, in der Harald Schmidt Model Monica Ivancan in den Bauchnabel spuckt. 

«Ob privat oder öffentlich-rechtlich, unsere Recherche zeigte schnell: Humor auf Kosten von Frauen war in den Shows der 90er und 00er Jahre allgegenwärtig und reichte von Anzüglichkeiten und platten Schenkelklopfern bis hin zu Witzen über sexuelle Belästigung», schreiben die Filmemacherinnen. Und: «Immer wieder wurde auch über Gewalt gegen Frauen gelacht.» Als Beispiel zeigt der Film Rudi Carrell in «Sieben Tage, sieben Köpfe». 

«Was haben wir gelacht» – oder auch nicht? Wie oft lachten Frauen mit, obwohl sie sich miserabel fühlten? Und wie oft bleibt das Lachen bei den alten Szenen heute im Hals stecken. 

Der Film ist ein berührendes, beinahe schockierendes Dokument einer Zeit geworden, die noch gar nicht lange vergangen ist – und womöglich längst dabei ist, zurückzukehren. Die Produktionsfirma schreibt: «Angesichts eines spürbaren gesellschaftlichen Backlashs, in dem alte Rollenbilder wieder an Boden gewinnen, wird der Kampf dieser fünf Frauen zum Statement für die Gegenwart.»

Quelle: dpa

 

Deutschland Film Kino Kinostart 16. Juli

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