Nordafrika

Gaddafi-Sohn Saif al-Islam in Libyen getötet

03. Februar 2026 , 22:20 Uhr

Nach dem Umbruch in Libyen kam Saif al-Islam in Haft. Er verschwand jahrelang und meldete sich erst 2021 mit großen politischen Ambitionen zurück. Nun wird er in seiner Residenz getötet.

In Libyen ist ein prominenter Sohn des früheren Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi getötet worden. Saif al-Islam sei heute bei einer «verräterischen und feigen» Tat «ermordet» worden, teilte sein politisches Büro mit. Vier maskierte Männer hätten seine Residenz in der westlibyschen Stadt Sintan gestürmt und al-Islam dann getötet. Sein Team trauerte um al-Islam, der sein «Leben für die Hoffnung auf ein stabiles Libyen» geopfert habe. Verantwortlich seien «Handlanger des Regimes» in Libyen.

Al-Islams Anwalt Chalid al-Saidi bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass der Gaddafi-Sohn «ermordet» worden sei. Der Nachrichtenkanal Al-Arabija berichtete unter Berufung auf das Umfeld der Gaddafi-Familie, dass der 53-Jährige im Garten seiner Residenz in Sintan erschossen worden sei. 

Spekuliert wurde, ob Milizen mit Nähe zur Regierung von Abdel Hamid Dbaiba in Tripolis hinter der Tat stecken könnten. Eine Miliz mit Verbindungen zum Verteidigungsministerium in Tripolis wies Darstellungen als falsch zurück, nach denen sie an der Tötung beteiligt gewesen sei. Al-Islam soll Vorbereitungen getroffen haben für eine Rückkehr in die Politik, was eine mögliche Bedrohung für Dbaiba und dessen Verbündete dargestellt hätte.

Eine der einflussreichsten Figuren in Libyen

Saif al-Islam war der zweitälteste Sohn Muammar al-Gaddafis, der in dem nordafrikanischen Land mehr als vier Jahrzehnte herrschte, und eine der einflussreichsten Figuren in Libyen. Vor dem Sturz und Tod seines Vaters im Jahr 2011 führte al-Islam ein Reformprojekt an mit dem Ziel, das Land politisch zu modernisieren und an den Westen anzunähern. Viele der Bemühungen wurden bald aber rückgängig gemacht, um das Machtgefüge in der Regierung seines Vaters nicht ins Wanken zu bringen.

2011 wurde Muammar al-Gaddafi nach Massenprotesten über Monate gestürzt und schließlich getötet. Al-Islam hatte die brutale Niederschlagung der Proteste davor unterstützt. Auf der versuchten Flucht in den Niger wurde er dann von einer Miliz gefasst und kam in Sintan in Haft. Dort verbrachte er nach eigener Aussage mehrere Jahre und hatte kaum Kontakt zur Außenwelt.

Kandidatur für Präsidentenwahl, die nie stattfand

Seit 2014 forderte der Internationale Strafgerichtshof al-Islams Auslieferung, um ihm wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Aufstände in Libyen den Prozess zu machen. 2015 wurde er von einem Gericht in Libyens Hauptstadt Tripolis in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Die Machthaber in Sintan ließen ihn aber weder nach Tripolis überstellen, noch lieferten sie ihn aus.

2021 tauchte al-Islam nach langer Abwesenheit überraschend wieder auf und reichte seine Kandidatur ein für die geplante Präsidentenwahl in Libyen. Diese fand wegen eines Konflikts über die verfassungsrechtlichen Grundlagen und die zugelassenen Kandidaten aber nie statt. Libyen ist heute faktisch zweigeteilt in zwei verfeindete Regierungen im Osten und Westen.

Quelle: dpa

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