Schulen

GEW nennt Hymnenpflicht bei Schulfeiern «Schnapsidee»

14. Januar 2026 , 16:00 Uhr

Die Gewerkschaft GEW hält die Hymnenpflicht in Schulen für komplett daneben. Die CSU-Granden hätten wohl zu häufig den jüngsten Oktoberfest-Hit gehört - mit entsprechenden Folgen.

Mit markigen Worten hat die Erziehungsgewerkschaft GEW die Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kommentiert, dass bei Schulabschlussfeiern künftig die Bayern-, Deutschland- und Europahymne intoniert werden müssen. Die CSU-Granden könnten bei ihren Parteiveranstaltungen gerne singen, betonte der Vize-Landesvorsitzende Florian Kohl. «Aber offensichtlich haben sie in letzter Zeit zu häufig das aktuelle Lied „Wackelkontakt“ von Oimara gehört. Anders kann ich mir die Schnapsidee, Schulen vorschreiben zu wollen, wann sie etwas singen oder hören sollen, nicht erklären.»

Söder hatte am Vortag auf der Winterklausur der CSU-Landtagsfraktion im oberfränkischen Kloster Banz verkündet, dass die von seiner Partei vorgeschlagene Hymnenpflicht bei gesellschaftlichen Anlässen wie der Verleihung von Schul- und Berufsabschlüssen rasch umgesetzt werden solle. An den Schulen sei dies unbürokratisch durch ein Schreiben des Kultusministeriums möglich, ergänzte Fraktionschef Klaus Holetschek.

Kritiker: Wichtiger als die Hymnen sind die dahinterstehenden Werte

Lehrerverbände wie auch Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) hatten hingegen wiederholt betont, dass es zwar sinnvoll sei, wenn sich die Schülerinnen und Schüler mit den Werten unserer Gesellschaft auseinandersetzten und Zusammenhalt erlebten. Dazu könne auch das Abspielen oder Singen der Hymnen beitragen. Letztendlich sei es aber nicht entscheidend, dass die Hymnen zu bestimmten Anlässen immer verpflichtend intoniert würden. Sondern dass die jungen Leute die Werte, um die es gehe, verstünden und verinnerlichten.

Söder: «Ein Volk ohne Patriotismus ist wie ein Volk ohne Seele»

Söder legte am Mittwoch noch einmal nach. «Wir bekennen uns zu unserem Land, wir stehen zu unserem Land, und wir lieben auch unser Land», sagte er in einem auf Instagram und X geposteten Kurzvideo. Um dieses Heimatgefühl frühzeitig zu vermitteln, sei es «selbstverständlich», dass Schülerinnen und Schüler zumindest einmal im Jahr die drei Hymnen singen sollten. «Diese Identität ist wichtig. Ein Volk ohne Patriotismus ist wie ein Volk ohne Seele.» Die Hymnen seien ein Teil dieser Identitätsstiftung, weshalb sie nicht nur in Bayern, sondern deutschlandweit gesungen werden sollten.

Natürlich könne den Schulen die Hymnenpflicht einfach vorgeschrieben werden, kritisierten hingegen auch die Landesvorsitzenden des Philologenverbands sowie des Verbands der Lehrkräfte an beruflichen Schulen, Michael Schwägerl und Pankraz Männlein. «Teambuilding passiert jedoch nach unserer Erfahrung nicht auf Knopfdruck durch ein punktuelles Ereignis am Ende der Schullaufbahn.»

Quelle: dpa

Bayern Bildung CSU Partei Schule

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