Stichwahl

München bekommt erstmals einen grünen Oberbürgermeister

22. März 2026 , 21:23 Uhr

Seit Wochen fiebert München auf die Stichwahl des Oberbürgermeisters hin. Es zeichnet sich ein historisches Ergebnis ab.

Die Grünen haben in München zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt die Rathausspitze erobert. In der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt setzte sich der erst 35 Jahre alte Kandidat Dominik Krause laut vorläufigem Ergebnis mit 56,4 Prozent der Stimmen gegen den langjährigen Amtsinhaber Dieter Reiter (67, SPD) durch.

Es sei der letzte Tag seiner politischen Karriere, sagte Reiter noch während der Auszählung der Stichwahl. Reiter stand zuletzt wegen seines Umgangs mit Vereinsmandaten beim FC Bayern München samt Vergütungen in der Kritik. 

Bei der Wahlparty der Grünen brandete Jubel auf, als die erste Tendenz bekanntwurde. «Vielen Dank München, für dieses große Vertrauen. Ich fühle mich sehr geehrt», sagte Krause.

Reiter: «Das war’s von mir.»

Reiter sagte dagegen: «Ich hab’s verbockt.» Das Wahlergebnis sei seine Schuld, betonte er. «Es war mir eine Ehre, hier in dieser Stadt Oberbürgermeister sein zu dürfen.» Er kündigte das Ende seiner politischen Laufbahn an: «Das war’s von mir.»

Die Wahl war so spannend wie seit Jahrzehnten nicht mehr in München. Lange galt Amtsinhaber Reiter als unangefochtener Favorit. Doch dann wurde bekannt, dass er schon seit Jahren Geld vom FC Bayern München für einen Posten in dessen Verwaltungsbeirat bekommen hatte und sich dies nicht – wie er es hätte tun müssen – vom Stadtrat genehmigen ließ. Vor allem wegen seines Umgangs damit geriet Reiter massiv in die Kritik. 

Nach großem öffentlichem Druck räumte er Fehler ein und trat vom Posten des Verwaltungsbeirates und auch von dem des Aufsichtsrates, den er gerade erst übernommen hatte, zurück. 

Krause lag im ersten Wahlgang noch zurück

Im ersten Wahlgang am 8. März hatte Reiter zwar mit 35,6 Prozent noch deutlich vor Krause mit 29,5 Prozent gelegen. Allerdings lag das damals vor allem an den Briefwählern, von denen ein Großteil noch vor Bekanntwerden der Affäre abgestimmt hatte. Nach den nur am Wahltag selbst abgegebenen Stimmen lag Krause bereits vor zwei Wochen vor Reiter. 

Nach 12 Jahren im Amt musste sich der 67 Jahre alte Reiter, der einen komplett auf ihn zugeschnittenen Wahlkampf mit dem Slogan «München. Reiter. Passt» geführt hatte, nun dem 35 Jahre alten Krause geschlagen geben. Der Grünen-Kandidat hatte deutlich mehr auf Inhalte wie den Kampf gegen Wohnungsnot und hohe Mieten gesetzt und für frischen Wind im Münchner Rathaus geworben. 

Das Wahlergebnis wird ein historischer Einschnitt für die SPD. Seit 1948 war fast immer ein Sozialdemokrat Münchner Oberbürgermeister – mit Ausnahme der Jahre 1978 bis 1984, als CSU-Mann Erich Kiesl den Posten innehatte.

Quelle: dpa

 

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