Verzückt klatschte Erfolgscoach Bennet Wiegert seinen Co-Trainer Yves Grafenhorst ab und schloss ihn nach der Supercup-Machtdemonstration des SC Magdeburg nur Augenblicke später in seine Arme. 25 Jahre musste der zuletzt verwöhnte deutsche Handball-Meister warten, um diese Trophäe mal wieder zu gewinnen. Für Wiegert selbst war erst der vierte Anlauf als Trainer erfolgreich – und wie: Mit 38:31 (20:15) überrannten die Magdeburger ihren großen Konkurrenten Füchse Berlin.
«Ich war selbst überrascht, wie glücklich, wie zufrieden mich das gemacht hat. Ich musste mich erst einmal runtercoachen», sagte der 44-Jährige. So ein Erfolg helfe dem Selbstbewusstsein und zeige, wie weit man vor dem Bundesliga-Start schon sei, meinte er.
Gleichwohl lässt der Auftritt eine Woche vor dem Auftakt am Sonntag wohl kaum Rückschlüsse zu. «Wir starten in Gummersbach, das wird unheimlich schwer. Jetzt haben wir den ersten Titel. Aber nichtsdestotrotz ist Berlin eine Top-Mannschaft und nichts ist im Sport vergänglicher als der Erfolg von gestern», sagte Matthias Musche.
Satt sind die Magdeburger nach zwölf Vereinstiteln unter Wiegert, der seit 2015 an der Seitenlinie steht, noch lange nicht. Seine Mannschaft habe die in beeindruckender Manier erreichte Meisterschaft in der Sommerpause genießen dürfen, sagte der Coach. «Aber nach vier Wochen muss dann der Hunger wieder da sein. Das ist auch mein Job, daran mitzuarbeiten.» Der innere Antrieb seiner Schützlinge sei «extrem groß» und mache «extrem Freude», meinte er.
Angeführt von Gísli Kristjánsson, der neun von neun Würfen verwandelte, und dem ebenfalls groß aufspielenden Albin Lagergren lag Magdeburg vor 10.199 Zuschauern gegen die Füchse zeitweise mit acht Toren in Front (31:23/45.). «Wir waren einfach von Anfang an sehr konzentriert, sehr fokussiert auf allen Ebenen und haben uns wenig Fehler erlaubt», fand Kristjánsson, über die Wichtigkeit der Partie sagte: «Es macht immer Spaß Titel zu gewinnen, auch wenn es nicht der größte der Saison ist. Aber Haken dran.»
So eingespielt die Magdeburger zu sein scheinen, so groß waren die Defizite im Spiel der Füchse – vor allem in der Defensive. Nicolej Krickau bleibt nach dem Dämpfer und den Abgängen von Leistungsträgern wie Lasse Andersson und Dejan Milosavljev kaum Zeit, ehe die Liga am Donnerstagabend mit einem Spitzenspiel gegen die MT Melsungen beginnt.
Trotz der einschneidenden Veränderungen im Aufgebot gehört es zum Selbstverständnis der Füchse, anzugreifen. Der Verein stehe zwar «vor großen Herausforderungen, aber diese Saison ist sicher keine Zwischenlösung», hatte Geschäftsführer Bob Hanning kürzlich erklärt. Die Berliner hätten als Meister von 2025 und Pokalsieger der Vorsaison «immer hohe Ziele».
Für Krickau besteht die Herausforderung darin, den Prozess voranzutreiben. «Es geht gar nicht um Magdeburg. Jeder in Deutschland nennt Magdeburg als Favorit und das verstehe ich», sagte der Däne. «Aber wir arbeiten jeden Tag, um unseren Ausgangspunkt zu verbessern. Darauf liegt unser Fokus. Ja, der Abstand heute war groß, aber es kommt eine lange Saison.»
Dessen ist sich auch Wiegert bewusst. Der 44-Jährige wird nicht müde zu betonen, dass in Magdeburg «keiner übers Wasser laufen» könne. «Das funktioniert nicht, wir müssen unseren Job machen und den nötigen Grad an Einstellung finden.» Gelingt den Magdeburgern der nächste Entwicklungsschritt, dann «kann das groß werden und dann kann ich auch das Limit nicht sehen», sagte Wiegert. Ein erstes Statement hat sein Team geliefert.
Quelle: dpa