Heißes EM-Duell mit Frankreich

Zocken verboten: Handballer kämpfen um Medaillentraum

27. Januar 2026 , 12:43 Uhr

Den deutschen Handballern reicht gegen Frankreich ein Remis, um bei der EM um die Medaillen zu spielen. Mut macht die Erinnerung an Olympia. Vor der Partie gibt es ein klares Bekenntnis zum Trainer.

Die Jubelbilder vom «Wunder von Lille» benötigten Deutschlands Handballer als Motivation für das Endspiel ums EM-Halbfinale ebenso wenig wie der Bundestrainer die Jobgarantie vom Verband. «Ich werde mir das Video nicht noch einmal angucken. Das war ein ganz anderes Spiel», sagte Olympia-Held Renars Uscins vor dem entscheidenden Hauptrundenduell mit Europameister Frankreich am Mittwoch (18.00 Uhr/ZDF/Dyn) in Herning. 

Knapp eineinhalb Jahre nach dem Handball-Thriller im Olympia-Viertelfinale, der aufgrund seines dramatischen Verlaufs und unglaublichen Happy Ends für die DHB-Auswahl längst Legendenstatus hat, kommt es erneut zum Showdown. «Das wird ein heißer Tanz, auf den sich alle freuen können», prophezeite Uscins und versprach: «Wir gehen die Aufgabe mit viel Mut an und werden mit breiter Brust Vollgas geben.»

Die Ausgangslage ist klar: Schon ein Remis reicht der deutschen Mannschaft zum Einzug ins Halbfinale, der den Traum von der ersten EM-Medaille seit dem Gold-Triumph vor zehn Jahren am Leben halten würde. Bei einer Niederlage spielt das DHB-Team am Freitag nur um Platz fünf. «Wir können alles gewinnen oder alles verlieren», sagte Rückraumspieler Nils Lichtlein.

Jobgarantie für den Bundestrainer

Egal, wie es ausgeht: Nach den bisherigen EM-Auftritten muss Bundestrainer Alfred Gislason nicht um seinen Job bangen. «Wir sind jetzt mitten im Turnier und haben morgen die Chance, ins Halbfinale zu kommen. Wir haben eine Top-Sechs-Platzierung. Es gibt in diese Richtung keine Gedanken, dass wir etwas verändern», sagte Sportvorstand Ingo Meckes. 

Gislason wird also auch bei der Heim-WM 2027 auf der Trainerbank sitzen. Die Diskussionen um seine Person im EM-Verlauf hatten den Isländer ohnehin kaltgelassen. «Ich bin seit 1991 Trainer und habe vieles erlebt. Ich habe mir nie einen Kopf gemacht oder Gedanken darüber, keine Rückendeckung vom Verband zu haben», sagte Gislason und bekräftigte: «Ich hatte nie Ängste, den Job zu verlieren.» 

Für den 66-Jährigen zählt nur das Hier und Jetzt. Um die Köpfe für den Medaillenkampf schnell freizubekommen, hakten der Bundestrainer und seine Schützlinge das 26:31 gegen Weltmeister und Olympiasieger Dänemark daher schon wenige Minuten nach dem Schlusspfiff ab.

DHB-Team glaubt an eigene Stärke

«Es ist schade, dass wir den ersten Matchball nicht nutzen konnten. Aber es bringt nichts, nach hinten zu schauen», sagte Torwart David Späth und kündigte an: «Wir werden gegen Frankreich alles reinhauen.»

Die Zuversicht ist groß, wie bei Olympia gegen den Rekord-Weltmeister bestehen zu können. «Wir sind voll im Turnier und haben jetzt eine riesige Chance. Wenn uns jemand vor dem letzten Hauptrundenspiel gesagt hätte, dass wir eine bessere Ausgangslage als Frankreich haben, hätten wir das genommen. Darauf freuen wir uns», sagte Spielmacher Juri Knorr. 

Gislason glaubt an die Stärke seiner Mannschaft, die im Turnier bisher noch gar nicht an ihr Limit gekommen ist. «Die Abwehr ist sehr gut und eine Bank, dazu haben wir zwei Weltklasse-Torhüter und können die Breite im Kader nutzen», zählte der 66 Jahre alte Isländer die positiven Erkenntnisse aus den bisherigen Spielen auf. Der unbedingte Wille ist ohnehin da, wie Rückraumspieler Marko Grgic bekräftigte: «Wir werden alle acht Millionen Prozent dafür geben, dass wir ins Halbfinale kommen.»

Olympia ist in den Köpfen

So wie bei den Sommerspielen 2024. Da lag die DHB-Auswahl sechs Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit mit einem Tor hinten – bei Ballbesitz Frankreich. Der Rest ist Sportgeschichte. Julian Köster fing den Anwurf von Frankreich-Star Dika Mem ab, bediente Uscins, und der traf zum Ausgleich. In der Verlängerung hatte Deutschland das bessere Ende für sich und holte später Silber.

«Vielleicht spielt das ‚Wunder von Lille‘ in den Köpfen beider Mannschaften eine Rolle. Allerdings ist es auch schon ein bisschen her. Uns gibt es zumindest ein gutes Gefühl, dass wir sie da geschlagen haben», sagte Knorr im Rückblick. Und Uscins, der damals 14 Tore erzielte, ergänzte: «Natürlich erinnert man sich an das Spiel. Aber das wird so nicht noch einmal vorkommen.»

Was jetzt zählt, ist die Gegenwart. «Für uns ist das ein Viertelfinale. Aber nicht, weil wir bei Olympia gegen Frankreich im Viertelfinale waren, sondern weil es die Brisanz eines Alles-oder-nichts-Spiels einfach sichtbarer macht», sagte der 23-Jährige und appellierte: «Wir brauchen 60 Minuten lang Kampf und Glauben.» 

Wie Uscins hält auch Gislason nichts davon, in Erinnerungen zu schwelgen. «Der Sieg war schön, aber das zählt heute nichts mehr», sagte der Bundestrainer und ergänzte: «Wir müssen schauen, dass wir besser sind als die Franzosen.» 

Gislason fordert mutigen Auftritt

Auf ein Remis zocken will das DHB-Team dabei nicht. «Dass ein Unentschieden reicht, ist natürlich im Kopf, falls es am Schluss zu so einem Szenario kommt. Aber im Endeffekt bedeutet es nur, dass wir eine gute Ausgangsposition haben», sagte Knorr. Torwart Späth bekräftigte: «Für uns ist die Ausgangslage recht einfach zu definieren: Wir werden nicht auf ein Unentschieden pokern, sondern auf Sieg spielen.»

Zwar gilt Frankreich neben Dänemark als heißester Gold-Anwärter, seinen Schrecken hat der Titelverteidiger aber spätestens bei der überraschenden 32:36-Pleite gegen Spanien verloren. «Wir wissen, die Franzosen sind nicht übermenschlich, sondern schlagbar», sagte Knorr und fügte hinzu: «Wir haben die Chance, etwas Großes zu erreichen.»

Damit das gelingt, müsse die Mannschaft «extrem motiviert und ohne Angst» auftreten, forderte Gislason: «Das ist ein Endspiel ums Halbfinale. Davon haben wir vor dem Turnier immer wieder gesprochen. Nun ist es genauso gekommen. Das haben wir uns erhofft.»

Quelle: dpa

 

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