Im Urlaub inhaftiert

Mehr als zwei Monaten: Ulmer aus türkischer Haft entlassen

03. November 2026 , 10:58 Uhr

Nach mehr als zwei Monaten in türkischer Haft ist Ferdi Soylu laut seiner Familie wieder frei. Doch ausreisen darf der Ulmer vorerst nicht.

Nach mehr als zwei Monaten in türkischer Haft ist der Ulmer Ferdi Soylu laut seiner Familie wieder auf freiem Fuß. Der 46-Jährige sei am Montagabend freigelassen worden, dürfe die Türkei allerdings vorerst nicht verlassen, bestätigte sein Bruder Sebahattin Soylu auf Anfrage. «Ihm geht’s gut.» Zuvor hatte der SWR darüber berichtet. 

Das wird dem Mann vorgeworfen 

Soylu war Mitte August in der türkischen Hauptstadt Ankara inhaftiert worden. Ihm wird nach Angaben seines Anwalts die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Hinter dem Vorwurf könnte nach Vermutung der Familie ein früherer Kontakt zu einem Ulmer Bildungsverein stehen: Eine Tochter Soylus hatte dort vor rund 14 Jahren Nachhilfeunterricht genommen. 

Die türkischen Behörden bringen den Verein FEZA mit der sogenannten Gülen-Bewegung in Verbindung, die sie als terroristische Organisation einstufen. Die türkische Regierung macht die Bewegung für den gescheiterten Putschversuch im Jahr 2016 verantwortlich.

Soylu lebt seit rund 25 Jahren in Deutschland und besitzt seit mehr als zehn Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Er war mit seiner Frau und den vier Töchtern zu einem Familienbesuch in die Türkei gereist. Das Auswärtige Amt hatte den Fall bestätigt und den Mann konsularisch betreut.

Wie es nun weitergeht

Der Bruder von Soylu erklärte, die Familie wolle nun gegen das Ausreiseverbot Widerspruch einlegen. Sie hoffe, dass Ferdi Soylu bald nach Deutschland zurückkehren könne. Bis zu einer möglichen Gerichtsverhandlung könne er zunächst bei seinen Eltern in Bursa bleiben, einer Großstadt im Nordwesten der Türkei.

Wann es zu einem Prozess kommt, ist noch offen. Eine Anklageschrift liege bislang nicht vor, teilte der Bruder mit. Auch einen Termin für eine Gerichtsverhandlung gebe es noch nicht. Die Familie hoffe, dass das Verfahren bald vorankomme und der 46-Jährige anschließend nach Ulm zurückkehren könne.

Quelle: dpa

Baden-Württemberg Deutschland Internationale Beziehung Türkei

Das könnte Dich auch interessieren

31.10.2026 Warum Felix Klare offen Kritik an Waffenlieferungen äußert Wer Gewalt und Krieg kritisiert, müsse inzwischen aufpassen, was er sagt, findet der «Tatort»-Darsteller. Warum er von einem «Armutszeugnis für Demokratie» spricht und welche Ursache er dafür sieht. 03.11.2026 Galatasaray bestraft Stuttgarter Patzer im Stimmungstempel Zur heißen Atmosphäre trägt der VfB Stuttgart in Istanbul mit eigenen Fehlern selbst bei. Am Ende steht nach vielen vergebenen Chancen die erste Niederlage in dieser Champions-League-Saison. 03.11.2026 Belästigungsvorwürfe: Palmer lässt Ehrenamt fürs Land ruhen Als Berater sollte Boris Palmer die Bürokratie in Baden-Württemberg bekämpfen. Das ist erstmal vorbei. Im Netz werden Vorwürfe sexualisierter Belästigung gegen ihn laut. Er weist diese zurück. 03.11.2026 Neue Gaskraftwerke: Zuschläge fast nur für RWE und Leag Neue Gaskraftwerke sollen Strom liefern, wenn Wind und Sonne schwächeln. Die Kosten tragen ab 2031 die Stromkunden. Wie viel, ist noch offen. Schon jetzt gibt es einige Kritik.