Auszeichnung

«Miss Germany»-Kandidatin züchtet Haut gegen Tierversuche

05. März 2026 , 04:30 Uhr

Was motiviert eine Forscherin, sich bei «Miss Germany» zu bewerben? Amelie Reigl setzt auf Aufklärung und möchte Forschung für alle verständlich machen – auch abseits des Labors.

Im Fitnessstudio macht Amelie Reigl schon mal eine Klimmzug-Challenge. Im Labor möchte sie ganz vorn mitspielen, wenn es um die Züchtung menschlicher Hautmodelle geht. Die Kandidatin zur Wahl der «Miss Germany» in der Kategorie «Female Founder» hat ehrgeizige Ziele. Nicht per se den Sieg an diesem Samstag (7. März) bei der Endrunde, sondern vor allem beruflich. 

Die Verantwortlichen der Veranstaltung in München wollen das Ganze – anders als früher – explizit nicht mehr als Schönheitswettbewerb verstanden wissen. Man suche «nicht nach den nächsten Beauty-Influencerinnen, sondern nach zukünftigen DAX-Vorständinnen und erfolgreichen Gründerinnen».

Haut aus dem Labor

Die Würzburger Biologin züchtet menschliche Haut im Labor, um Tierversuche zu reduzieren. Schließlich ließen sich Medikamente eher schlecht als recht beispielsweise an Mäusen testen. «Die Daten, die man daraus generiert, sind kaum übertragbar auf menschliche Studien», sagt die 31-Jährige. «Und genau da setzen wir an mit unseren Hautmodellen, weil sie aus menschlichen Zellen stammen, um wirklich gute und übertragbare Daten für unsere Kunden zu liefern.»

Kategorie «Female Founder»

Neun Frauen stehen im Finale der Wahl zur «Miss Germany», darunter Unternehmerinnen, eine Fotografin und eine Presseoffizierin der Bundeswehr. Sie setzten sich nach Angaben des Veranstalters gegen mehr als 2.600 Bewerberinnen durch. In der Endrunde in den Bavaria Studios treten in drei Kategorien zunächst jeweils drei Finalistinnen gegeneinander an.

In der Kategorie «Female Founder» ist Abina Ntim aus Hamburg als Nachwuchsunternehmensgründerin nominiert. Sie hat eine Pflegemarke für Afrohaare auf die Beine gestellt. Sie konkurriert mit Büsra Sayed aus Berlin, die ein Modelabel gegründet hat, das Frauen mit dem traditionellen Kopftuch Hijab stärker sichtbar machen soll. Die Dritte im Bunde ist Amelie Reigl, die mit einem kleinen Team ein Biotech-Start-up aufbaut.

Wissenschaft greifbar machen

Geboren ist die 31-Jährige im baden-württembergischen Wertheim, aufgewachsen aber im nahen Bayern mit ihren Eltern und einer Schwester. Zum Studium zog es sie nach Würzburg, wo sie seit mittlerweile zehn Jahren lebt – und bekannt ist. 

Die Forscherin ist nicht nur in der Wissenschaftswelt ein kleiner Social-Media-Star: Mit weißem Laborkittel und blauen Handschuhen nimmt sie ihre mehr als 500.000 Follower mit ins Reich von Zellen, DNA und Petrischalen. Ihre Mission: Wissenschaft für jeden greifbar zu machen, verständlich. «Mein großer Traum ist ein gläsernes Labor, also wirklich ein Labor, wo man Forschung direkt sehen kann», erzählt sie.

Gegen die Unsicherheit

Die ersten Wissenschaftsbeiträge habe sie während der Corona-Pandemie veröffentlicht. «Viele waren verunsichert, was passiert jetzt gerade? Ist der Impfstoff sicher oder nicht?» Das habe sie verständlicher erklären wollen, sagt die 31-Jährige. «Ich finde, man braucht Vertrauen in die Wissenschaft. Und Vertrauen kann man dadurch erlangen, indem man einfach besser erklärt, besser kommuniziert.» 

Nahezu täglich postet die Biologin nun auf Tiktok, Instagram und Co Szenen aus ihrem Laboralltag – zu finden unter dem Namen «@diewissenschaftlerin». Und bespricht dort längst nicht nur komplizierte Themen: «Warum ist Lachen ansteckend?», «Warum ist es überall so leise, wenn Schnee liegt?», «Warum beruhigen wir uns, wenn wir berührt werden?».

Und was hat das alles mit «Miss Germany», zu tun? «Es ist kein Schönheitswettbewerb mehr. Es geht um Frauen, die die Zukunft gestalten wollen», erklärt Reigl. «Ich möchte Wissenschaft sichtbar machen. Ich will, dass wir alle wieder neugierig werden. Wissenschaft fragt nicht danach, wie ich aussehe, sondern wie neugierig ich bin.»

Quelle: dpa

 

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