Ilse Aigner in «Little Berlin»

Mödlareuth ist nun offiziell ein «Ort der Demokratie»

04. November 2026 , 17:11 Uhr

Ein Dorf, zwei deutsche Staaten: In Mödlareuth trennte eine bewachte Mauer Bayern und Thüringen. Was der Ort heute über Freiheit und Demokratie erzählt.

Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) hat das einst geteilte Dorf Mödlareuth als «Ort der Demokratie» ausgezeichnet. «Es ist Symbol der deutsch-deutschen Teilung», sagte Aigner laut ihrem Redemanuskript. «Am 9. Dezember 1989 haben die DDR-Grenztruppen dann den Grenzübergang offiziell geöffnet. Wie aus zwei Teilen wieder eins wurde, hier vor Ort, das nötigt mir den größten Respekt ab: Was für ein starkes Bekenntnis zur Menschlichkeit, zur Einigkeit und eben letztlich auch zur Deutschen Einheit!»

Mödlareuth strahle über seine eigenen Grenzen weit hinaus, sagte Aigner. «Nämlich wenn Diktaturen verharmlost werden und repressiver Zwang mit Gleichgültigkeit quittiert wird, dann ist Mödlareuth ein Wegweiser für die Freiheit.» Hier sei der DDR-Wachturm abgelöst worden durch einen «Leuchtturm der Demokratie».

Getrennt und hermetisch bewacht

Das kleine Dorf Mödlareuth hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Getrennt in einen bayerischen und Thüringer Teil war der Ort schon lange, doch bis Ende des Zweiten Weltkriegs störte das eigentlich niemanden. Doch als Deutschland in zwei Staaten zerfiel, wurde der Tannbach im kleinen Mödlareuth zur Trennlinie zwischen BRD und DDR. Genauso wie in Berlin wurde auch in Mödlareuth eine Mauer gebaut, die vom DDR-Grenzschutz hermetisch bewacht wurde.

Deshalb erlangte Mödlareuth als «Little Berlin» internationale Bekanntheit. Am 9. Dezember 1989, einen Monat, nachdem die Berliner Mauer gefallen war, öffnete sich auch im kleinen Dorf die bislang schier unüberwindliche Grenze. In Mödlareuth leben heute etwa 50 Menschen – ein Teil gehört zu Thüringen, ein Teil zu Bayern.

Der Landtag zeichnet seit mehr als sechs Jahren Orte aus, die für die Demokratie in Bayern von besonderer Bedeutung sind. Mödlareuth erinnere an die Erfahrungen der deutschen Teilung und stehe zugleich für die friedliche Überwindung von Grenzen, für Freiheit, Einheit und Demokratie, hieß es zur Begründung.

Quelle: dpa

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