Attacke auf Demonstrationszug

Mordprozess nach Auto-Anschlag auf Demo vor dem Abschluss

05. August 2026 , 04:00 Uhr

Bei der Attacke waren eine Mutter und ihre kleine Tochter getötet worden. Was man vor dem Urteil wissen sollte.

Der Mordprozess um den tödlichen Auto-Anschlag auf eine Demonstration in München geht zu Ende: An diesem Donnerstag will das örtliche Landgericht sein Urteil sprechen. Die Bundesanwaltschaft geht von einem religiös motivierten politischen Anschlag aus und fordert eine lebenslange Haftstrafe samt Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Dies würde eine Freilassung auf Bewährung nach 15 Jahren Gefängnis erheblich erschweren. Die Verteidigung hingegen plädierte auf eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren und forderte die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Von allen Prozessbeteiligten ist unbestritten, dass der 25-Jährige im Februar 2025 von hinten in einen Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi gefahren war und dabei eine Mutter und ihre zweijährige Tochter getötet hatte. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Afghanen darüber hinaus versuchten Mord in 22 Fällen sowie zumeist gefährliche Körperverletzung in weiteren 22 Fällen vor. Knapp zwei Dutzend «gewöhnliche» Körperverletzungen wurden dabei sogar schon von der Strafverfolgung ausgenommen. 

Anklage sieht religiös motivierten politischen Anschlag

Die Vertreter der Bundesanwaltschaft gehen von einem religiös motivierten politischen Anschlag aus, auch wenn der Angeklagte keinen klassischen Radikalisierungsprozess durchlaufen und kein geschlossenes islamistisches Weltbild besessen habe. In der Wahrnehmung des jungen Mannes habe die Attacke aber dem Willen Allahs entsprochen und sei eine gebotene Reaktion auf das Handeln der USA und anderer westlicher Staaten in Gaza und Afghanistan gewesen, hieß es in deren Plädoyer. Darüber hinaus hätten persönliche Gefühlsregungen wie Wut, Enttäuschung und Verbitterung eine Rolle gespielt.

Der vom Gericht bestellte Gutachter stellte eine mittelgradige Persönlichkeitsstörung fest – betonte aber auch, der Angeklagte habe zum Zeitpunkt der Tat keine akute Psychose gehabt. Dennoch schließt die Verteidigung des 25-Jährigen eine verminderte Schuldfähigkeit nicht aus. Die Anwälte argumentierten, ihr Mandant zeige deutliche Anzeichen einer hebephrenen Schizophrenie – einer Unterform, bei der anstelle von Wahnvorstellungen vor allem ein wirres Gefühlsleben und unberechenbares Verhalten im Vordergrund stehen. Ob das Gericht dem folgt, wird sich zeigen.

Quelle: dpa

 

Bayern Deutschland Extremismus Kriminalität OBERBAYERN Prozess (Gericht) Urteile

Das könnte Dich auch interessieren

04.08.2026 Bürgermeister spioniert Sekretärin aus – 7.200 Euro Strafe Ein Bürgermeister überwacht seine Sekretärin heimlich per Kamera – das Gericht verhängt eine Geldstrafe. Der Richter findet das «unglaublich» und sorgt für eine Einigung mit dem Opfer. 28.07.2026 Lebenslange Haft für Auto-Anschlag in München gefordert Eine Mutter und ihre kleine Tochter starben, als der 25-Jährige sein Auto in eine Demo steuerte. Viele weitere wurden verletzt. Für die Bundesanwaltschaft ist klar, wie die Strafe ausfallen soll. 28.07.2026 Erstes Plädoyer im Mordprozess nach Auto-Anschlag geplant Im Februar 2025 rast ein Mann auf Teilnehmer einer Demonstration zu. Eine Mutter und ihr Kleinkind sterben, zahlreiche Menschen werden verletzt. Nun biegt der Münchner Prozess auf die Zielgerade ein. 04.08.2026 Zweites Mädchen nach Schongau-Attacke aus Klinik entlassen Während die Ermittlungen zum Angriff eines Jugendlichen auf Schülerinnen weiter laufen, gibt es Neuigkeiten zum Gesundheitszustand der Schwerverletzten.