57. Verhandlungstag

Mutmaßlicher Block-Entführer: Ich war beim Geheimdienst

17. Juni 2026 , 13:16 Uhr

Eine Sicherheitsfirma soll die Block-Kinder entführt haben. Der Chef gilt als Drahtzieher. Zum Abschluss seiner Zeugenaussage gibt es die Antwort auf eine Frage, die sich viele lange stellten.

Im Block-Prozess hat die Verteidigung den mutmaßlichen Chef der Kidnapper zu seinem vielfältigen Lebenslauf befragt. «Ich bestätige, dass ich in der Vergangenheit im israelischen Geheimdienst war», sagte der Zeuge David Barkay laut Übersetzung aus dem Englischen im Landgericht Hamburg. Näheres dürfe er dazu nicht sagen.

Der Verteidiger der angeklagten Unternehmerin Christina Block, Ingo Bott, wollte wissen, ob der 69-Jährige beim Geheimdienst Techniken der Manipulation gelernt habe. «Ich habe niemals Leute manipuliert, ich habe andere Dinge getan», antwortete der Zeuge.

Prozess mit sieben Angeklagten

Christina Block wird vorgeworfen, nach einem langen Sorgerechtsstreit einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters in Dänemark erteilt zu haben. Die 53-Jährige bestreitet das. Laut Anklage wurden das damals 13-jährige Mädchen und sein Bruder (10) von maskierten Männern in ein Auto gezerrt und nach Deutschland gebracht.

Insgesamt gibt es in dem aktuellen Prozess sieben Angeklagte. Der Chef der Sicherheitsfirma, Barkay, hatte sich mitten im laufenden Prozess aus Israel gemeldet und für seine Aussage sicheres Geleit bekommen. Er muss zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen. Für alle Beschuldigten in dem Fall gilt die Unschuldsvermutung.

Zeuge sagt nicht in Muttersprache aus

Bott befragte Barkay weiter zu seinem Lebenslauf: Er sei in Paris geboren, sagte der 69-Jährige. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat er die israelische und die französische Staatsbürgerschaft. Er habe Islamwissenschaft studiert, aber auch mal Medizin angefangen. Zudem sei er an den Universitäten in Oxford (Mathematik) und Harvard (Cybersicherheit) gewesen.

Neun Prozesstage lang sagte der Zeuge in Hamburg aus. Oft ging es nur langsam voran, weil der 69-Jährige angab, Fragestellungen nicht verstanden zu haben. Immer wieder berief sich Barkay auf Erinnerungslücken. Zum Abschluss stellte ein Verteidiger eine Frage, die sich viele Prozessbeteiligten in den vergangenen Monaten immer wieder gestellt hatten: Warum sagte Barkay auf Englisch aus und nicht auf Hebräisch?

«Meine Muttersprache ist Spanisch», lautete die überraschende Antwort. Seine zweite Sprache sei Französisch. Seine dritte Sprache Englisch spreche er besser als Hebräisch. Dann ergriff Barkays Anwalt, Björn Kruse, das Wort: Er habe seinem Mandanten geraten, auf Englisch auszusagen, damit auch er als Zeugenbeistand die Originalaussagen verstehe. Das ermögliche es ihm, bei Feinheiten der Übersetzung eventuell einzugreifen.

Quelle: dpa

 

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