FIFA-Krise

Neuendorf fordert Rote Karte für Infantino

06. Oktober 2026 , 05:01 Uhr

Kurz vor dem Treffen der UEFA-Mitgliedsverbände in Berlin distanziert sich der DFB-Präsident weiter von Gianni Infantino. Was Bernd Neuendorf in einem Interview sagt.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat bei seiner Kritik an Gianni Infantino nachgelegt und die Rote Karte für den FIFA-Boss gefordert. «Wir müssen ihn vom Platz stellen», sagte der Spitzenfunktionär in einem «Tagesspiegel»-Interview. Er werde im März nicht für Infantino stimmen.

«Gianni Infantino ist als FIFA-Chef nicht mehr tragbar. Er hat dem Fußball sehr geschadet», so Neuendorf weiter. Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) sei man sich einig: Infantino habe «jegliches Vertrauen verspielt». An diesem Mittwoch ist ein Treffen aller 55 Mitgliedsverbände der Europäischen Fußball-Union (UEFA) in Berlin angesetzt. 

Neuendorf hatte zuvor das Reform-Angebot Infantinos an die 211 Mitgliedsverbände des Weltverbandes als «durchschaubares Manöver» bezeichnet. Es gehe dem Schweizer darum, seine Wiederwahl im kommenden Jahr zu sichern. 

Bisher kein Gegenkandidat für Infantino

Infantino hatte zuvor auf die andauernde Kritik an seinem Führungsstil reagiert und seinen Gegnern erstmals Gespräche über mögliche Reformen in der FIFA angeboten. Infantino kündigte in dem Brief eine unabhängige externe Überprüfung der FIFA-Governance sowie Konsultationen über eine Stärkung der Entscheidungsprozesse an, einschließlich der Rolle des Präsidenten. 

Der 56-Jährige machte gleichzeitig klar, dass er die FIFA weiter anführen will. Von einem Verzicht auf eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit beim Kongress im März 2027 ist nicht die Rede. Diesen fordern seine Kritiker um UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin. Einen Gegenkandidaten Infantinos gibt es bisher nicht. Bis zum 18. November müssen seine Gegner einen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl drei Monate später in Marokko aufstellen. Dann endet die FIFA-Frist.

Neuendorf: «Nicht den Bock zum Gärtner machen»

«Infantino ist seit zehn Jahren im Amt und hat eine Kultur in der FIFA etabliert, die eines grundlegenden Wandels bedarf. Wir können aber nicht den Bock zum Gärtner machen», mahnte Neuendorf im «Tagesspiegel». «Es kann nicht sein, dass derjenige, der die heutigen Zustände zu verantworten hat, den dringend nötigen Reformprozess steuert.»

Ende August war der Streit mit der Androhung eines Strafantrags vor Schweizer Gerichten im Zusammenhang mit den WM-Investorenplänen gegen Infantino eskaliert. Dafür wurden bei US-Gerichten Informationen über die geplanten Geschäfte angefragt.

Quelle: dpa

Deutschland DFB FIFA Fußball International Schweiz Sportpolitik

Das könnte Dich auch interessieren

22.09.2026 Schachzug oder Einsicht: Was bedeutet Infantinos Vorstoß? Versöhnung, Einheit, weltweites Fußball-Wohlergehen. Gianni Infantino schlägt im FIFA-Machtkampf milde Töne an. Seine Gegner bringt er damit in Zugzwang. Doch wie glaubwürdig sind die Reformgedanken? 17.09.2026 «Er sollte weg»: Auch Watzke fordert Infantino-Aus Die Forderungen nach einer Ablösung des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino werden immer lauter und deutlicher. Jetzt gibt es auch eine prominente deutsche Stimme. 21.09.2026 Infantino bereit für Reformen - Aber kein Rückzug Schachzug oder Einsicht? FIFA-Präsident Infantino geht im Machtkampf beim Fußball-Weltverband auf seine Kritiker zu. Die Strukturen sollen überdacht werden. Ein persönlicher Rückzug ist kein Thema. 25.09.2026 Ohne Rücktrittsforderung: Top-Ligen greifen Infantino an Der angekündigte Reformwille von Gianni Infantino reicht nicht aus - sagen die wichtigsten vier Ligen in Europa. Diese greifen die FIFA-Führung scharf an, ohne den Namen des Präsidenten zu nennen.