Demonstration

Protest gegen geplanten Sudetendeutschen Tag in Tschechien

28. April 2026 , 22:22 Uhr

Rund 500 Menschen demonstrieren in Brünn gegen das geplante Vertriebenentreffen der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Auch zwei Ex-Präsidenten äußern Bedenken.

Rund 500 Menschen haben im tschechischen Brünn (Brno) gegen den für Pfingsten in der Stadt geplanten Sudetendeutschen Tag protestiert. Die Teilnehmer folgten einem Aufruf der ultrarechten Kleinpartei Freiheit und direkte Demokratie (SPD). Deren Gründer, Parlamentspräsident Tomio Okamura, nannte das geplante Treffen der Vertriebenen nach Angaben der Agentur CTK eine «himmelschreiende Schande». Demonstranten hielten Spruchtafeln hoch wie «Treffen der Sudetendeutschen – eine Schande für Brünn» oder «Gegen die schleichende Germanisierung».

Bürgerinitiative lädt ein

Das traditionelle Pfingsttreffen der Sudetendeutschen Landsmannschaft findet vom 22. bis 25. Mai erstmals in seiner Geschichte in Tschechien statt. Das Motto lautet «Alles Leben ist Begegnung». Eingeladen wurde der Vertriebenenverband von den Veranstaltern des Festivals «Meeting Brno». Sie stehen auch hinter dem jährlichen Versöhnungsmarsch, der an die Vertreibung von rund 20.000 deutschsprachigen Einwohnern aus Brünn nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert.

Insgesamt waren rund drei Millionen Deutsche nach dem Zweiten Weltkrieg und den Schrecken der nationalsozialistischen Besatzung aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben worden. Viele von ihnen fanden in der Bundesrepublik eine neue Heimat. Bayern hat seit 1954 die Schirmherrschaft über die Volksgruppe der Sudetendeutschen inne. Die Beziehungen zwischen Sudetendeutschen und Tschechen waren über Jahrzehnte stark belastet.

Ex-Präsidenten üben Kritik

Die Regierung in Prag hält sich bisher mit offiziellen Äußerungen zu dem geplanten Vertriebenentreffen zurück. Der rechtspopulistische Ministerpräsident und Milliardär Andrej Babis sprach von einer reinen Bürgerinitiative. Scharfe Kritik an der Veranstaltung übten indes die Ex-Präsidenten Vaclav Klaus und Milos Zeman. Ersterer lehnte den Begriff der Aussöhnung als «falsch» ab. Letzterer warnte, dass dies den Weg bereite für eine «Revision der Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs».

Quelle: dpa

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