Karneval

Prozess in Russland gegen Jacques Tilly erneut verschoben

28. Januar 2026 , 17:47 Uhr

Die russische Justiz kommt im Prozess gegen den Düsseldorfer Karnevalisten Jacques Tilly nicht voran. Erneut muss das Gericht das Verfahren verschieben.

Die russische Justiz hat das umstrittene Strafverfahren gegen den deutschen Karnevalisten und Bildhauer Jacques Tilly erneut verschoben – diesmal auf den 26. Februar. Das Gericht musste einen neuen Termin ansetzen, weil Zeugen in dem Verfahren nicht erschienen seien, sagte ein Gerichtssprecher der Deutschen Presse-Agentur. 

Das Verfahren geht demnach am 26. Februar, 11.00 Uhr Ortszeit (9.00 Uhr MEZ), weiter. Laut Gericht muss sich Tilly wegen Verunglimpfung der russischen Staatsorgane verantworten, dazu gehört neben der russischen Armee auch Präsident Wladimir Putin. Bei Verlesung der Anklage wurde ein weiterer Vorwurf bekannt, nach dem sich Tilly auch wegen Verletzung religiöser Gefühle verantworten soll. Anlass ist eine Skulptur, die den russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill kniend mit dem Mund im Genitalbereich einer Putin-Figur zeigt.

Richter Konstantin Otschirow hatte den Prozess schon Ende Dezember verlegt und dies mit der Abwesenheit der Pflichtverteidigerin Tillys begründet, die auf Dienstreise sei. Sie war diesmal anwesend. Der Prozess findet in Abwesenheit des Angeklagten statt. Vertreter der Deutschen Botschaft verfolgen das Gerichtsverfahren an Ort und Stelle in Moskau.

Tilly nicht offiziell über Verfahren informiert

«Ich bin von der russischen Justiz nach wie vor nicht über das Verfahren informiert worden. Kein Brief, keine Info – nichts», sagte Tilly auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Tilly hatte mehrere Karnevalswagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug mit Karikaturen von Kremlchef Putin gebaut. 

Nach dem sehr weit gefassten Strafgesetz zur Verunglimpfung der russischen Staatsorgane und Verbreitung von Falschinformationen über die Armee drohen Tilly eine Geldstrafe oder Freiheitsentzug bis zu zehn Jahren. Nach solchen Anschuldigungen sind in Russland schon viele Kriegsgegner der von Putin befohlenen Invasion der Ukraine verurteilt worden. Die Entscheidungen stehen international als Unrechtsurteile der russischen Willkürjustiz in der Kritik.

Anklage-Vorwürfe

Tilly wird laut Anklage vorgeworfen, aus eigennützigen Motiven und aus politischem Hass falsche Darstellungen über die russische Armee verbreitet zu haben, hatte das Portal «Ostoroschno Nowosti» berichtet. Laut Anklage geht es um Interviewaussagen des Künstlers. Tilly betont, die russische Armee in seinen Werken nie thematisiert zu haben. Er habe durch einen Hinweis von «Freies Russland NRW» von dem Verfahren erfahren.

«Humor tut anscheinend doch weh», sagte er. Das Verfahren sei lächerlich. «Russland ist ein Mafia-Staat mit einer entsprechenden Gerichtsbarkeit.» Er werde als Karnevalist auf das Verfahren reagieren und bewusst keinen eigenen Anwalt entsenden. 

Jacques Tilly: Karnevalswagenbauer aus Düsseldorf

Jacques Tilly ist ein deutscher Bildhauer und Karnevalswagenbauer, der vor allem für seine bissig-satirischen Mottowagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug bekannt ist. Seit 1984 baut und entwirft er Karnevalswagen, die schon mehrfach weltweit für Aufsehen sorgten.

Jedes Jahr werden seine Karnevalswagen daher mit besonderer Spannung erwartet. Bereits mehrfach waren die Mottowagen Wladimir Putin gewidmet. Eines seiner Werke – eine Figur von Putin in Handschellen – brachte der Bildhauer nach Den Haag zum Internationalen Strafgerichtshof. Eine andere Arbeit zeigt Putin in einer ukrainischen Wanne – in Blut badend.

Quelle: dpa

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