Gerichte betroffen

IT-Ausfall bei der Justiz – Was war da los?

03. Juli 2026 , 13:40 Uhr

Nach der großflächigen Störung von Telefonen und Mailservern der bayerischen Justiz gibt das Ministerium Entwarnung. Richter und Staatsanwälte aber schlagen Alarm.

Keine Anrufe, keine Mails: Die bayerische Justiz ist von einer großflächigen Störung zeitweise lahmgelegt worden. Die ist inzwischen laut Justizministerium behoben.

Aber was war da los? 

Seit dem Donnerstagnachmittag bestand eine Störung der Netzwerkinfrastruktur im Rechenzentrum des Landesamts für Steuern, wie eine Sprecherin des Landesamts der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. IT-gestützte Arbeitsabläufe bei Gerichten und Staatsanwaltschaften seien dadurch eingeschränkt gewesen. 

Das hatte zur Folge, dass Bayerns Justiz zeitweise nicht per Festnetztelefon oder E-Mail erreichbar war. Um kurz nach Mitternacht, um 00.03 Uhr am Freitag, liefen die Systeme nach Ministeriumsangaben wieder. 

Die «Standarddienste» wie Mail und Telefon seien wieder verfügbar, teilte das bayerische Justizministerium mit. «Die Fachverfahren und die E-Akte stehen ebenfalls wieder zur Verfügung.» Allerdings komme es «im elektronischen Rechtsverkehr noch zu Verzögerungen beim Nachrichtenversand». 

Was war der Grund für die Störung?

Das teilten zunächst weder das Justizministerium noch das Landesamt konkret mit. Nur von einem «Fehler im Netzwerk» ist die Rede. «Zum aktuellen Zeitpunkt ist ausgeschlossen, dass es sich um einen Cyberangriff handelte», teilte das Landesamt mit. «Zu keinem Zeitpunkt sind sensible Daten abgeflossen oder verloren gegangen. Ebenso bestand zu keinem Zeitpunkt unbefugter Zugriff auf die Server der Justizverwaltung.»

Der Vorfall solle «genau analysiert» werden. Außerdem sollen möglicherweise «weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Ausfallsicherheit erarbeitet und umgesetzt» werden.

Welche Auswirkungen hatte die Störung? 

Nachrichten, die während des Störungszeitraums versandt wurden, wurden auf den Systemen zwischengespeichert und werden derzeit abgearbeitet, wie das Ministerium mitteilt. 

Für Eilfälle stünden den Gerichten und Staatsanwaltschaften alternative Versandwege – beispielsweise das Justizportal – zur Verfügung, heißt es in der knappen Mitteilung des Ministeriums. 

Drohen jetzt reihenweise verpasste Fristen? 

Laut Justizministerium nicht. Zwar waren von der Störung auch Faxgeräte betroffen, die für das Einreichen von Schriftsätzen bei der Justiz noch immer eine Rolle spielen. Sollte eine solche Einreichung während der Störung nicht möglich gewesen sein, «kann durch das Gericht Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gewährt werden», teilt eine Ministeriumssprecherin mit. «Dies betrifft vor allem Verfahren, in denen betroffene Personen nicht anwaltlich vertreten werden.»

Alle Rechtsanwälte und Behörden seien «grundsätzlich zur Einreichung von Schriftsätzen an die Gerichte per elektronischem Rechtsverkehr verpflichtet», hieß es weiter. Und dies sei auch während des Ausfalls fristgerecht möglich gewesen, da die «virtuelle Poststelle Bayern beim IT-Dienstleistungszentrum des Freistaats Bayern durchgehend erreichbar war». Und der Eingang dort sei für eine Frist entscheidend – nicht die Frage, wann ein Schriftsatz von dort weitergeleitet wird. 

«Alle über den elektronischen Rechtsverkehr übersandten Daten, wie beispielsweise Dokumente und Nachrichten, sind sicher eingegangen und werden derzeit verarbeitet», heißt es vom Landesamt für Steuern.

Warum schlagen die Richter dann trotzdem Alarm?

«Eine digitale Justiz ohne belastbare Ausfallkonzepte ist nicht zukunftsfähig», sagt die Landesvorsitzende des Bayerischen Richtervereins, Barbara Stockinger. 

Der Verein dringt nun auf ein Notfallkonzept – und digitale Absicherungen. «Der Rechtsstaat muss auch dann handlungsfähig bleiben, wenn zentrale IT-Systeme versagen. Die aktuellen Ereignisse zeigen eindrücklich, dass wir resiliente und redundante Systeme benötigen, um die Funktionsfähigkeit der dritten Gewalt jederzeit sicherzustellen.»

Quelle: dpa

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