Die Reaktionen auf die gesundheitspolitischen Beschlüsse des Koalitionsausschusses der schwarz-roten Bundesregierung fallen überwiegend negativ aus und reichen von Empörung bei Ärzten bis hin zu scharfer Kritik von Gewerkschaften und Opposition. Während die Wirtschaft und Teile der Union die Maßnahmen zur Eindämmung von Fehlzeiten loben, warnen medizinische Verbände vor einem bürokratischen Kollaps in den Praxen.
Anja Tischer, die Vorsitzende des oberfränkischen Hausärzteverbandes nennt die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung einen sinnlosen bürokratischen Akt, der in den Praxen mehr Belastung und Arbeit für nichts schaffe. Anja Tischer:
Was mir allerdings viel, viel mehr Sorgen macht, ist die Haltung, die dahintersteht. Wir schaffen die telefonische AU ab, weil wir den Ärzten misstrauen, dass sie die sinnvoll einsetzen können. Und wir verlangen von allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine AU ab dem ersten Tag, weil wir ihnen allen unterstellen, es sind Blaumacher. Was ist das für ein Bild von dem Volk hier? Furchtbar.
Auch Krankenkassen kritisieren, durch das Aus der Telefon-AU werde das Gesundheitssystem als „Schreibstube der Arbeitgeber“ missbraucht.