Fußball-Nationalmannschaft

High Noon für Nagelsmann: 26 WM-Tickets nach Dauerdebatten

20. Mai 2026 , 12:33 Uhr

Wer bekommt eines der 26 WM-Tickets? Julian Nagelsmann sorgt mit seiner Kaderbekanntgabe für personelle Klarheit. Das Neuer-Comeback steht aber exemplarisch für viele Fragen auf dem Weg nach Amerika.

Endlich Klarheit um das spektakuläre Comeback von Rekordtorwart Manuel Neuer und ein amerikanischer Traum für die nicht einmal halb so alten Teenager Lennart Karl und Said El Mala: Wenn Julian Nagelsmann am Donnerstag (13.00 Uhr) seinen auserkorenen 26 WM-Spielern die Tickets für das XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko offiziell ausstellt, ist die Zeit der Spekulationen vorbei. 

Debatten und Tamtam um die Personalauswahl des Bundestrainers werden aber sicher auch nach dem High-Noon-Termin in der Futsal-Halle des Frankfurter DFB-Campus weitergehen. «Man kann viel diskutieren, wer alles mit muss», sagte Nagelsmann bei seinem noch von der Info-Blockade zum Neuer-Thema dominierten Auftritt im ZDF-«Sportstudio». Wie sehr den 38-Jährigen der Wirbel kurz vor der Kaderbekanntgabe nervt, war nicht zu überhören. 

Konkrete Indiskretionen aus Berater- oder Clubkreisen oder einfach als personelle Gewissheiten verkaufte mediale Vermutungen sind fester Bestandteil dieser Zeitspanne. Diese Reflexe einer auf Klicks und Sensationen fokussierten Branche muss auch Nagelsmann ertragen. Denn jetzt will jeder wissen, auf wen er beim Projekt Titelsehnsucht der Fußball-Nationalmannschaft in den USA vom 11. Juni bis 19. Juli setzt – und auf wen eben nicht.

Turnier wichtiger als Nominierung

«Es steht etwas ganz Großes am Donnerstag an», sagte der Bundestrainer selbst. Und ergänzte: Trotzdem ist das Turnier viel wichtiger. Denn: Nicht wer spielt, sondern wie gespielt wird, ist entscheidend, betonte Nagelsmann. Es werde sicherlich «kein Clown» und «kein Grüßonkel» am 2. Juni im Flieger nach Chicago sitzen. «Wir müssen als Team besser sein», sagte er und hob den Faktor Mannschaftsgeist nochmals hervor. 

Bei aller personellen Mauertaktik des Bundestrainers sind viele Entscheidungen zumindest über mediale Kanäle schon publik. Das Neuer-Comeback – samt Degradierung von Oliver Baumann zur Nummer zwei – muss nur noch bestätigt werden. Und begründet. Denn warum so kurz vor knapp die Routine des 40-Jährigen zwei Jahre nach seinem DFB-Rücktritt jetzt doch alle bisherigen Pläne zur Makulatur machen, hat Nagelsmann eben noch nicht gesagt. 

Bei so viel Geheimhaltung rätseln Experten wie Fans seit Tagen über die interne Kommunikation und den Zeitstrahl der Reaktivierung. «Es ist ein sehr komplexes Thema», sagte Nagelsmann pauschal zu seinem Kader-Findungsprozess. Die Frage für ihn: «Wie kriegen wir die beste Dynamik hin?» Neuers Strahlkraft bei seinem dann fünften WM-Turnier seit 2010 könnte ein Faktor sein. 

Noch im März hatte der Bundestrainer unmissverständlich postuliert, dass er seine unfassbar wichtigen Rollengespräche nicht für Aufgaben im Frühjahr, sondern für den Sommer geführt habe. Zumindest das, was für Baumann als damalige Nummer eins galt, ist offenbar hinfällig. Alexander Nübel wird wohl in der Hierarchie auf den dritten Platz durchgereicht. Und wie die «Bild»-Zeitung und Sky berichten, soll Neuers Bayern-Backup Jonas Urbig als Trainingstorhüter nominiert werden. Vier Torhüter. Das wäre ein WM-Novum. 

«Man würde als Trainer gerne 50 Spieler mitnehmen», sagte Nagelsmann. 26 dürfen es sein. Und durch Führungsspieler-Garantien für Profis wie beispielsweise Kapitän Joshua Kimmich, Nico Schlotterbeck, Kai Havertz oder David Raum und den fixen Leistungsträgern von Florian Wirtz über Jamal Musiala bis Aleksandar Pavlovic sind viele Plätze ohnehin schon besetzt. 

El Mala als Überraschungsmann

Dass El Mala (19) ohne Länderspielerfahrung auch dabei sein soll, war eine größere Vorab-Überraschung als die Meldung über die Zusage an Lennart Karl (18). Das Bayern-Talent hatte im März in den Tests in der Schweiz (4:3) und gegen Ghana (2:1) zweimal frisch aufgespielt. Der Bundestrainer setzt demnach auch auf jugendliche Unbekümmertheit samt großem Tatendrang. Als fix kolportiert wurde auch die WM-Teilnahme des Stuttgart-Trios Deniz Undav, Jamie Leweling und Angelo Stiller – alles keine Überraschungen. 

Leon Goretzka hatte sein Turnier-Comeback nach der EM-Ausmusterung 2024 schon im Frühjahr samt Rollenbeschreibung versprochen bekommen. Nick Woltemade bekam als einziger im «Sportstudio» die WM-Zusicherung auch öffentlich, trotz seiner komplizierten Zeit bei Newcastle United. «Wir als Team kriegen ihn definitiv hin», sagte Nagelsmann über den Angreifer der mit vier Qualifikationstoren maßgeblich zur WM-Teilnahme beitrug. 

Auch die kolportierten WM-Absagen an Fanliebling Niclas Füllkrug, der weder bei West Ham United noch bei AC Mailand in die nötige Form fand oder an die Stuttgarter Josha Vagnoman und Maximilian Mittelstädt sind keine brandheißen Erkenntnisse. Doch kommt nach der bitteren Verletzung von Stammkraft Serge Gnabry möglicherweise doch das WM-Aus für vermeintlich sichere Kandidaten?

Was ist mit Sané und Rüdiger?

Auf Vize-Kapitän Antonio Rüdiger dürfte Nagelsmann als Abwehr-Reizfigur kaum verzichten. Auffällig ruhig war es lange um Leroy Sané, der von Nagelsmann schon mehrfach kritisch bewertet wurde. Eine kurzfristige Streichung des Offensivturbos wie 2018 durch den damaligen Bundestrainer Joachim Löw wäre ein weiterer WM-Hammer.

Quelle: dpa

 

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