Querelen an der Spitze

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen früheren Baywa-Chef

15. Januar 2026 , 17:04 Uhr

Der Münchner Baywa-Konzern ist seit 2024 ein Sanierungsfall. Nun hat die Justiz den langjährigen Ex-Konzernchef im Visier. Der ist einer der prominentesten Wirtschaftsfunktionäre in Bayern.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat bei ihren Ermittlungen rund um die Schieflage des Mischkonzerns Baywa einen der prominentesten bayerischen Wirtschaftsfunktionäre ins Visier genommen: Wegen Untreueverdachts wird gegen den früheren langjährigen Vorstandsvorsitzenden Klaus Josef Lutz ermittelt, wie ein Sprecher der Ermittlungsbehörde bestätigt. Lutz ist Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags und der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern. Der Manager antwortete nicht unmittelbar auf eine Anfrage über die IHK. Zuvor hatten «Süddeutsche Zeitung» und «Münchner Merkur» berichtet. Bisher hat Lutz jede Verantwortung für die Baywa-Krise zurückgewiesen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Einzelheiten unbekannt, Staatsanwaltschaft hält sich bedeckt

Was genau Lutz vorgeworfen wird, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht, ebenso wenig, gegen wie viele Beschuldigte inzwischen ermittelt wird. Lutz lässt sich an der Spitze der IHK nun wegen der mit dem Verfahren verbundenen «zeitlicher Inanspruchnahme» vertreten, wie die Kammer auf Anfrage mitteilte. Der Manager hatte den Verband demnach am Vortag über die Ermittlungen informiert. 

Bisher bekannt war im Wesentlichen, dass die Staatsanwaltschaft gegen die Vorstände ermittelt, die für den Baywa-Jahresabschluss 2023 verantwortlich waren. Das hatte Aufsichtsratschef Gregor Scheller publik gemacht. Soweit bekannt, geht es dabei vor allem um den Verdacht, dass die damalige Konzernspitze die Risiken des hoch verschuldeten Unternehmens geschönt habe. Die Baywa betonte, dass sie mit der Staatsanwaltschaft kooperiere. 

Lutz stand bis Frühjahr 2023 an der Baywa-Spitze

Lutz leitete den Baywa-Vorstand von 2008 bis Frühjahr 2023 und wechselte danach an die Spitze des Aufsichtsrats, bevor er auch diesen Posten wenige Monate später Anfang 2024 abgab. Den Jahresabschluss 2023 hatte Lutz nicht unterschrieben. 

Ermittlungen wegen Untreueverdachts deuten darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft tiefer gräbt. Wie bei allen Ermittlungsverfahren gilt auch hier die Unschuldsvermutung. Ein Untreueverdacht bedeutet auch nicht, dass ein Beschuldigter sich persönlich bereichert haben soll. In der Regel geht es dabei um den Vorwurf, dass Manager vorsätzlich Firmenvermögen verschleudert oder aufs Spiel gesetzt haben sollen.

Einer der größten deutschen Sanierungsfälle

Der Konzern war im Sommer 2024 in Schieflage geraten und ist derzeit einer der größten Sanierungsfälle in Deutschland. Ein maßgeblicher Auslöser waren die hohen Zinszahlungen für 5,4 Milliarden Euro an Bankkrediten, die das Unternehmen im Zuge einer von Lutz gesteuerten internationalen Expansion in den 2010er Jahren aufgetürmt hatte. Der Sanierungsplan der jetzigen Vorstandsriege sieht vor, bis Ende 2028 vier Milliarden Euro Kredite abzuzahlen. Dafür sollen rund zwei Drittel der früheren Baywa-Geschäfte verkauft werden. Im Wesentlichen sind das die Auslandstöchter, die der Konzern unter Lutz‘ Regie auf Kredit gekauft hatte. 

Wichtigster Geschäftszweig der Baywa ist der Agrarhandel. Das Unternehmen spielt vor allem im Süden und im Osten Deutschlands eine wichtige Rolle für die Landwirte: Die Baywa kauft einerseits Getreideernten und andere Erzeugnisse an und beliefert die Bauern andererseits mit Saatgut, Dünger, Landmaschinen und anderem Bedarf.

Quelle: dpa

Agrar Bayern Deutschland Kriminalität Unternehmen

Das könnte Dich auch interessieren

02.02.2026 Ökostromtochter verschärft Baywa-Krise Ökostrom sollte ein zusätzliches Standbein der Baywa werden. Doch stattdessen hat sich der Vorstoß in ein neues Geschäftsfeld zum Klotz an den bestehenden Beinen des Münchner Konzerns entwickelt. 01.02.2026 Baywa-Aufsichtsräte weichen dem Druck - Rukwied bleibt Seit 2024 ist der Mischkonzern Baywa ein Sanierungsfall. Vorstände mussten das Unternehmen verlassen - die Aufsichtsräte blieben. Nun weichen mehrere dem Druck - mit einer prominenten Ausnahme. 03.02.2026 Richter-Äußerung sorgt für Neustart in Münchner Mordprozess Ein Streit um Tabak endet im Alten Botanischen Garten tödlich. Warum das Verfahren jetzt neu aufgerollt wird – und was die umstrittene Äußerung eines Richters damit zu tun hat. 02.02.2026 Drogenfunde, Festnahmen und Kritik nach Durchsuchung in Club Etwa 100 Polizeibeamte durchsuchen einen Club mit Hunderten Gästen in Augsburg. Sie finden Drogen. Der große Einsatz bleibt nicht ohne Kritik.