Exhumierungen

Todespfleger: Ermittlungen in mehr als 120 weiteren Fällen

10. August 2026 , 04:30 Uhr

Im November wurde ein früherer Pfleger für den Mord an zehn Patienten verurteilt. Doch der Mann könnte noch für weitaus mehr Todesfälle verantwortlich sein.

Der Fall eines bereits wegen zehnfachen Mordes verurteilten Krankenpflegers nimmt immer größere Dimensionen an. Die Aachener Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen in mehr als 120 weiteren Verdachtsfällen, teilte eine Sprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Bislang seien 39 Exhumierungen durchgeführt worden. Die ebenfalls ermittelnde Kölner Staatsanwaltschaft hat nach Angaben eines Sprechers inzwischen sieben Leichen exhumieren lassen.

Das Aachener Landgericht hatte den Ex-Pfleger im vergangenen November wegen zehnfachen Mordes und 27-fachen Mordversuchs zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht stellte auch die besondere Schwere der Schuld fest – eine Freilassung nach 15 Jahren ist damit in der Regel ausgeschlossen.

Patienten überdosierte Medikamente verabreicht

Laut Urteil hatte der Mann während seiner Nachtschichten in einer Klinik in Würselen schwer kranken Menschen eigenmächtig überhöhte Mengen an Beruhigungsmitteln verabreicht – teils in Kombination mit Schmerzmitteln und teilweise auch mehrfach. Auslöser sollen ein persönliches Störgefühl und eine eigene Vorstellung von Ordnung gewesen sein. Der Pfleger hatte die Vorwürfe im Prozess zurückgewiesen.

Die abgeurteilten Taten hatte der Deutsche zwischen Dezember 2023 und Mai 2024 begangen. Bei den aktuellen Ermittlungen geht es um mögliche Tötungsdelikte vor diesem Zeitraum. Der Mann hatte bereits seit 2020 an der Klinik in Würselen gearbeitet. «Die Ermittlungen reichen derzeit bis September 2022 zurück», sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Es könnten also noch weitere Verdachtsfälle hinzukommen.

Neue Anklage nicht mehr in diesem Jahr

Die Aachener Staatsanwaltschaft hatte schon nach dem Urteil angekündigt, dass sie voraussichtlich eine weitere Anklage gegen den Pfleger erheben werde. Wann es so weit ist, sei derzeit nicht absehbar, sagte die Sprecherin nun. «Vermutlich im Laufe des nächsten Jahres.»

Die Staatsanwaltschaft in Köln ermittelt ebenfalls wegen möglicher Tötungsdelikte. Denn der Mann hatte bis 2020 in einer Kölner Klinik gearbeitet. «Die sehr komplexen Ermittlungen werden noch viel Zeit in Anspruch nehmen», teilte der Sprecher mit.

Quelle: dpa

Deutschland Kriminalität Nordrhein-Westfalen Pflegeberufe

Das könnte Dich auch interessieren

18.08.2026 Für Russland spioniert? Haftstrafe für «Wegwerf-Agenten» Dass drei Ukrainer gemeinsam Pakete mit GPS-Sender von Deutschland in die Ukraine verschickt haben, ist unstrittig. Aber haben sie damit für Russland spioniert? Ein Gericht ist nicht völlig überzeugt. 13.08.2026 Bahn stattet auch Personal in Bahnhöfen mit Bodycams aus Laut DB nehmen Übergriffe auf ihre Beschäftigten zu. Zugpersonal wurde daher bereits mit Bodycams ausgestattet. Nun sollen auch Mitarbeiter an Bahnhöfen diese Videokameras bekommen. 31.07.2026 Mordanklage nach Fund von zerstückelter Frauenleiche Die Staatsanwaltschaft Bonn erhebt Mordanklage gegen den Lebensgefährten, nachdem abgetrennte Hände, ein Kopf, die Leiche und ein unverletztes Baby in drei Bundesländern gefunden wurden. 31.07.2026 Frau in Soest über Monate gequält – vier Personen angeklagt Eine Frau soll in einem Reihenhaus in Soest in NRW über Monate hinweg grausam misshandelt und vergewaltigt worden sein. Gegen vier Personen – darunter zwei Minderjährige – ist Anklage erhoben worden.