Globale Strafjustiz

Ungarns Parlament stoppt Austritt aus dem Weltstrafgericht

27. Mai 2026 , 13:00 Uhr

Nach dem Regierungswechsel möchte das Donauland nun doch im Verbund der Haager Strafjustiz verbleiben. Der neue Ministerpräsident Magyar bricht auch in diesem Punkt mit seinem Vorgänger Orban.

Das ungarische Parlament hat per Gesetzesbeschluss ein früheres Gesetz annulliert, das den Austritt Ungarns aus dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) vorsah. Der neue Ministerpräsident Peter Magyar erhält damit die gesetzliche Vollmacht dafür, das von seinem Vorgänger Viktor Orban eingereichte Austrittsgesuch formell zurückzuziehen. Magyar hatte diesen Schritt bereits am vergangenen Freitag angekündigt. 

Für die Gesetzesvorlage stimmte die Mehrheit von 133 Abgeordneten der bürgerlichen Tisza-Partei, an deren Spitze Magyar steht, wie aus den Angaben der Parlamentswebseite hervorgeht. Demnach gab es 37 Gegenstimmen und 5 Enthaltungen. 

Der IStGH mit Sitz in Den Haag verfolgt seit 2002 schwerste Verbrechen wie Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. 

Austrittsgesuch stammte noch von Orban

Der im April abgewählte Rechtspopulist und Langzeitherrscher Orban hatte das Austrittsgesuch seines Landes vor knapp einem Jahr beim IStGH in Den Haag eingereicht. Zuvor hatte die damalige Parlamentsmehrheit seiner Fidesz-Partei ein entsprechendes Gesetz gebilligt. Dieses wurde nun am Mittwoch außer Kraft gesetzt. Der Austritt Ungarns sollte nach damaligen Angaben nach rund einem Jahr, das heißt Anfang Juni, wirksam werden. 

Orban pflegte gute Beziehungen zu Politikern, gegen die der IStGH Haftbefehle erlassen hat, unter ihnen der russische Präsident Wladimir Putin und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Als Orban den Austritt aus dem Weltstrafgericht im April 2025 erstmals ankündigte, hielt sich Netanjahu auf Einladung Orbans in Budapest auf. 

Israels Regierungschef ist wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen israelischer Truppen im palästinensischen Gazastreifen vom IStGH angeklagt. Orban hatte damals klargestellt, dass Ungarn den Haftbefehl gegen Netanjahu ignorieren werde.

Quelle: dpa

International Justiz Niederlande Parlament Regierung Ungarn

Das könnte Dich auch interessieren

22.05.2026 Magyar: Ungarn stoppt Austrittspläne aus Weltstrafgericht Unter seinem Vorgänger Orban kündigte Ungarn den Austritt aus dem Internationalen Strafgerichtshof an. Diesen Schritt macht der neue Regierungschef Magyar nun rückgängig. 09.05.2026 Peter Magyar ist Ungarns neuer Ministerpräsident Der neue Regierungschef will Ungarn verändern und mit Brüssel verhandeln. Der Kampf gegen die Korruption und die «Heimholung» der gesperrten EU-Hilfen stehen auf Peter Magyars To-do-Liste ganz oben. 27.05.2026 «Polit-Beben» in Spanien: Polizeieinsatz bei Sanchez-Partei Mehrere Korruptionsaffären setzen die spanische Regierungspartei zunehmend unter Druck. Während Regierungschef Sánchez im Vatikan den Papst besucht, sorgt ein Polizeieinsatz in Madrid für Aufsehen. 22.05.2026 Republikaner revoltieren gegen Trumps Entschädigungsfonds Ein Entschädigungsfonds von Donald Trump wirft selbst unter den Republikanern Fragen und Bedenken auf – und verzögert so eine besonders für den US-Präsidenten wichtige Abstimmung im Senat.