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«Grundschulabitur»? - Übertrittszeugnisse für Viertklässler

04. Mai 2026 , 14:52 Uhr

Für die Viertklässler in Bayern entscheidet sich, ob sie künftig auf ein Gymnasium oder die Realschule gehen dürfen. Warum die seit Jahren bestehende Kritik daran gerade wieder aufflammt.

Die Viertklässler in Bayern haben ihre Übertrittszeugnisse bekommen. «Jährlich grüßt das Grundschulabitur», hieß es vom Verein «Eine Schule für Bayern», der längeres gemeinsames Lernen fordert.

Von der Schullaufbahnempfehlung hängt weitgehend ab, ob sie künftig eine Realschule oder ein Gymnasium besuchen dürfen – oder auf die Mittelschule gehen müssen. Das hängt von der Durchschnittsnote in den drei Fächern Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachunterricht ab. Bildungsforscher kritisieren diese frühe und im bundesweiten Vergleich recht starre Vorgabe seit Jahren. Befeuert wird die Debatte aktuell durch eine Auswertung regionaler Daten, die große Unterschiede in Bayern gezeigt hat.

Zwar besuchen nach Angaben des Kultusministeriums im Freistaat seit Jahren rund 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler nach der Grundschule ein Gymnasium; jeweils um die 28 Prozent gehen auf eine Real- oder Mittelschule. Doch regional zeigen sich große Differenzen: Während etwa zum Schuljahr 2024/25 in Oberbayern fast 45 Prozent der Viertklässler auf das Gymnasium wechselten, waren es in Niederbayern nicht einmal 32 Prozent. Bei den Realschulen reichte die Spreizung von rund 32 Prozent in Schwaben und Niederbayern bis knapp 26 Prozent in Oberbayern und Oberfranken.

Das zieht sich bis hinunter auf die Landkreisebene, wie eine Datenanalyse des Bayerischen Rundfunks (BR) ergeben hat. Demnach wechseln fast 56 Prozent aller Viertklässler im Landkreis München auf das Gymnasium – aber nur 25 Prozent im Landkreis Regen.

Auch sozioökonomische Gründe für regionale Unterschiede

Warum das so ist, kann das Kultusministerium nicht sicher sagen. Ein möglicher Grund dafür könne die unterschiedliche Erwartungshaltung der Eltern bezüglich des Bildungsweges und der sozioökonomischen Ziele sein – «gegebenenfalls auch in Verbindung mit den weiteren Ausbildungs- und Arbeitsplatzmöglichkeiten in der Region». Auch der Bildungshintergrund der Eltern, die Erreichbarkeit der Schulen und die Infrastruktur vor Ort werden in der Debatte genannt.

Die Aufteilung der Kinder behindere die ohnehin Benachteiligten, kritisiert deshalb das Bündnis Gemeinschaftsschule Bayern. «Längst ist bekannt, dass Noten nicht objektiv sind und mit der Leistungsfähigkeit eines Kindes nicht viel zu tun haben.»

Die Grünen wollen deshalb am Mittwoch einen Gesetzentwurf im Landtag einbringen, der künftig auch in Bayern Gemeinschaftsschulen ermöglichen soll. «Längeres gemeinsames Lernen ist der Schlüssel zu mehr Chancengerechtigkeit», begründete die bildungspolitische Sprecherin Gabriele Triebel den Vorstoß, dem jedoch keine Chancen eingeräumt werden. Auch die Landtagsfraktion der SPD findet den Status quo unhaltbar. «Das Grundschulabitur in Bayern muss weg, wie bereits in allen anderen Bundesländern», betonte SPD-Expertin Simone Strohmayr.

Quelle: dpa

 

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