TV-Rezension

Warum sich Adele Neuhauser nackt im Fernsehen zeigt

11. März 2026 , 05:15 Uhr

Anlässlich eines neuen Films im Ersten spricht die Schauspielerin offen über Scham und Grenzen beim Dreh von intimen Szenen. Und warum sie neue Sehgewohnheiten im Fernsehen anstoßen will.

In «Faltenfrei» spielte Adele Neuhauser eine alternde Diva, in «Ungeschminkt» eine Transfrau. Nun ist die Schauspielerin in «Makellos – Eine kurze Welle des Glücks» als Chefin eines Münchner Trachtengeschäfts zu sehen: Constanze geht ihrem Mann fremd – mit einem deutlich jüngeren Callboy. Daher war der Dreh auch eine Herausforderung für die Darstellerin.

Gerade bei den intimen Szenen sei sie als Schauspielerin und Adele gefordert gewesen, erzählte Neuhauser der Deutschen Presse-Agentur: «Meine Scham zu überwinden und wie weit will und muss ich wirklich gehen?»

Im Team mit Regisseur Dirk Kummer und Kollege Manuel Rubey hätten sie besprochen, mit diesen Szenen sehr sensibel und sparsam umzugehen – und nur bedingt bis in die letzte Konsequenz zu gehen. «Weil mehr brauchen wir auch nicht zu sehen», sagte sie. «Wir wissen schon, wie es geht.»

Die Szenen seien aber wichtig gewesen, so Neuhauser. «Kaum ein 67-jähriger Körper ist makellos und man braucht sich auch nicht dafür zu schämen.» Der Film ist jetzt in der ARD-Mediathek zu sehen (das Erste zeigt den 90-Minüter an diesem Mittwoch (11. März) zur besten Sendezeit).

Bruch mit bekannten Gesellschaftsbildern

Sie wolle an Sehgewohnheiten kratzen, sagt Neuhauser: «Das muss auch möglich sein. Also nicht, dass wir ältere Frauen uns jetzt alle einen bezahlten Callboy engagieren sollten, sondern dass wir uns als Gesellschaft einfach erlauben, dass ältere Frauen auch noch körperliche Bedürfnisse haben dürfen.» 

Die Konstellation älterer Mann mit jüngerer Frau sei über Jahrhunderte gesellschaftlich anerkannt. «Aber wir sind es immer noch nicht gewohnt, eine ältere Frau mit einem jüngeren Mann in dieser Form sichtbar zu machen.»

Der Film thematisiert aber weit mehr als den körperlichen Aspekt: Constanze spürt sich nicht mehr, fühlt sich von ihrem Mann nach vielen Ehejahren nicht mehr gesehen, hat aber Sehnsüchte. «Ich glaube, da finden sich viele Menschen wieder», sagte Neuhauser. «Oft weiß man nicht, warum man unzufrieden ist, weil man über viele Jahre – das kennen sicher viele, die in einer längeren Beziehung leben – irgendwann in eine Normalität in der Beziehung kommt. Und glaubt, man kennt sich in jeder Form des Lebens und braucht eh nicht mehr groß darüber zu reden.»

Drehbuchautor Uli Brée wollte laut Presseheft eine ältere Frau mit Bedürfnissen nach Liebe, Nähe und Sichtbarkeit erzählen, «die sich all das nimmt, wenn es ihr verwehrt wird». Die sich nicht in ihr Ehe-Schicksal füge. «Ich denke, es gibt so einen Punkt im Leben, wo man sich fragen kann: Betrüge ich mich, oder betrüge ich dich? Wenn ich dir treu bleibe, bleibe ich dann auch mir treu?»

Als Constanze ihren Mann (Ulrich Noethen) fragt, ob er sie noch attraktiv finde, seufzt der bloß. Bei den ersten Treffen mit dem Escort ist sie wiederum unsicher: «Sie denken sich nicht: Oh Gott, wie peinlich. Die alte Schachtel muss sich einen Lover kaufen, weil freiwillig geht mit der sicher keiner mehr ins Bett.»

«Was ich fühlen will, das kann ich nicht kaufen»

Und so verwundert es auch nicht, dass sie erst mal enttäuscht ist: «Diese Leute machen das für Geld», sagt Constanze ihrer Freundin, die ihr zu dem erotischen Experiment geraten hatte. «Die gaukeln einem genau das vor, was man hören will. Aber das, was ich fühlen will, das kann ich nicht kaufen.»

Mit der Zeit jedoch werden die Treffen der beiden intimer, die Gespräche berührender. Neuhauser spricht von einer romantischen Tragikomödie. 

Denn das Ganze kippt: Plötzlich werden Constanze und ihr Mann mit Fotos und Videos erpresst. So entwickelt sich daraus auch noch ein kleiner Krimi. 

Für die Filme «Faltenfrei» und «Ungeschminkt» war dasselbe Team verantwortlich. Die ARD wiederholte die beiden Werke in den vergangenen Wochen. 

Aus Sicht von Regisseur Kummer zeigt die Reihe die Wandlungsfähigkeit Neuhausers. Die Schauspielerin habe die wechselnden Hauptfiguren mit so viel Fantasie und Liebe ausgefüllt, schwärmt er im Presseheft.

Frauenbilder in Medien

Ältere Frauen sichtbar zu machen, ist Neuhauser nach eigenen Worten ein Anliegen. Und da sei noch Luft nach oben. Frauen zwischen 40 und 60 hätten eine «Wüstenzeit» vor sich, sagt sie gar. «Es braucht mehr Offenheit», fordert die Schauspielerin. «Und da haben wir als Filmschaffende auch die Pflicht, uns in diesen Themen zu stellen. Also dass wir Sehgewohnheiten und Gewohnheiten, rein gesellschaftlich, auch ein bisschen hinterfragen.»

Bei ihr selbst sei es etwas anders gewesen, räumte Neuhauser ein: «Ich hatte mit 40 plötzlich die Anfrage, eine 70-Jährige zu spielen, die ich dann mit großer Freude und großem Zuspruch auch gespielt habe.» Julie Zirbner in «Vier Frauen und ein Todesfall». «Dadurch habe ich diesen Alterungsprozess übersprungen und wurde dem Publikum gleich als alte Schachtel präsentiert.» 

Auch das nimmt sie mit Humor: «Es war sehr lustig und ich bin froh darüber, dass ich dadurch dieses „Brachliegen“ überbrücken konnte.»

Quelle: dpa

 

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