Umstrittene Erdgassuche

Was die Trinkwassersuche am Ammersee mit Erdgas zu tun hat

06. Juli 2026 , 13:36 Uhr

Unter der Gemeinde Reichling wird Erdgas vermutet. Das sorgt schon lange für Streit. Nun wird es noch komplizierter, weshalb Politiker vor Ort eine Forderung an Wirtschaftsminister Aiwanger richten.

Wegen der ungeklärten Trinkwasserversorgung fordern Kommunalpolitiker aus Landsberg am Lech von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger eine Aussetzung der Erdgassuche unweit des Ammersees. «Die Versorgung der Bevölkerung im Landkreis mit Trinkwasser ist zentraler Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge und muss Vorrang vor der Suche nach neuen Gasquellen haben», heißt es in einem Brief von Landrätin Daniela Groß (Grüne) an den Chef der Freien Wähler. Das Schreiben wurde zudem von den Bürgermeistern aus Reichling, Utting, Dießen, Vilgertshofen, Rott und Pürgen sowie den Vertretern der betroffenen Wasserversorger unterzeichnet.

Suche nach neuen Trinkwasserquellen bisher erfolglos

Im Landkreis Landsberg am Lech wird derzeit nach einer Trinkwasserquelle gesucht, die den Menschen in der von der Gassuche betroffenen Gemeinde eine sichere und saubere Versorgung ermöglicht. Dies ist in der Gemeinde Reichling insofern von besonderer Bedeutung, da hier aktuell auch nach Erdgas gesucht wird. Die Gemeinde wird aktuell über zwei Wassergewinnungsanlagen mit Trinkwasser versorgt, jedoch ist ein Brunnen nicht ausreichend, um beide Ortsteile dauerhaft zu versorgen. Deshalb laufen schon länger Bohrungen nach einem weiteren Brunnen – laut Landratsamt aber bisher allesamt vergeblich.

Wunsch: Neue Konzession erst, wenn Trinkwassersuche geklärt ist

Aus Sicht der Kommunalpolitiker sollte deshalb die erteilte Genehmigung für die Gassuche im Gebiet «Lech Ost» erst verlängert werden, wenn «die Suche nach einem neuen Standort für einen Brunnen der Gemeinde Reichling und die tatsächliche Lage der Trinkwassereinzugsgebiete in den betroffenen Gemeinden und Zweckverbänden abgeschlossen ist», heißt es in dem Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Solange die Wassereinzugsgebiete in der Gemeinde nicht festgelegt seien und die Brunnensuche laufe, «wäre es kontraproduktiv, in genau diesem Gebiet eine Aufsuchungserlaubnis für solche Bohrungen zu verlängern».

«Privatnütziges Interesse» an Gasvorkommen müsse zurückstehen

Landrätin Groß und ihre Mitunterzeichner verweisen zudem auf die Sorge, dass infolge der Gassuche das Trinkwasser generell verunreinigt wird. «Laut Ankündigungen der beteiligten Firmen ist im Aufsuchungsgebiet „Lech Ost“ mit bis zu zehn Bohrungen nach Gas zu rechnen», heißt es im Schreiben. Diese drohten die Suche nach Standorten für Trinkwasserbrunnen zu erschweren, da durch die Gasbohrungen grundwasserschützende Schichten geschwächt würden. «Schadstoffeinträge in das Grundwasser sind leichter möglich.» Wegen der überragenden Bedeutung der Trinkwasserversorgung müsse das «privatnützige Interesse am Erkunden von Gasvorkommen zurückstehen».

In dem Zusammenhang wird auch auf die jüngste Hitzewelle und die rückläufigen Niederschlagsmengen verwiesen. «So ist zudem mit einem steigenden Bedarf an Wasser sowohl für Haushalte, Gewerbe aber insbesondere auch die Landwirtschaft zu rechnen.»

«Hubert Aiwanger steht jetzt vor der Entscheidung zwischen sicherem Trinkwasser für eine ganze Region und Profitinteressen eines privaten Investors», sagte Martin Geilhufe, Landesvorsitzender des Bund Naturschutz. Wie in den Kommunen müsse auch im Wirtschaftsministerium verstanden werden: «Die Gasbohrungen in Reichling und der Region schaden der Allgemeinheit. Die Ende dieses Monats auslaufende Konzession darf nicht verlängert werden, das Gas muss im Boden bleiben.» 

3.300 Meter unter der Gemeinde wird Gas vermutet

In Reichling unweit des Ammersees läuft seit einiger Zeit die Suche nach Erdgas. In dem Gebiet hatte es vor Jahrzehnten bereits entsprechende Projekte gegeben, diese waren aber wegen mangelnder Rentabilität eingestellt worden. Infolge der massiv gestiegenen Gaspreise wurde die Suche fortgesetzt. Unweit der laufenden Suche nach Erdgas könnte es schon bald eine weitere etwa 3.300 Meter tiefe Gasbohrung geben. 

Hinter den Förderplänen steht die Energieprojekt Lech Kinsau 1 GmbH. Nachdem die Probebohrung im September 2025 abgeschlossen werden konnte, laufen derzeit Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit des Projektes. Das Unternehmen plante bisher mit einer Gasförderung über 10 bis 15 Jahre. Es wird eine Gasmenge von 400 bis 500 Millionen Kubikmetern vermutet.

Landrätin verweist auf Wasserverunreinigung im vergangenen Jahr

Die laufende Suche nach Erdgas in Reichling wird von massiver Kritik von Anwohnern und Umweltschützern begleitet. Von Anfang an hatte es etwa die Sorge gegeben, dass die Trinkwasserquelle verunreinigt werden könnte. Zwischenzeitlich hatten Messungen im Umfeld der Bohrstelle einen signifikanten Anstieg der Parameter von Zink, Barium und BTEX festgestellt, mit teils deutlicher Überschreitung der «Geringfügigkeitsschwellenwerte» (GFS). «Es wird darauf hingewiesen, dass auch der Eintrag von BTEX (leichtflüchtige aromatische Kohlenwasserstoffe) in Reichling noch nicht abschließend aufgeklärt ist», betonte auch Landrätin Groß.

Quelle: dpa

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