Skispringen

Wer kassiert ab? Zoff ums Geld bei der Vierschanzentournee

18. Mai 2026 , 08:38 Uhr

Jubiläum und Frauen-Premiere: Der Skisprung-Tross blickt vorfreudig auf die 75. Vierschanzentournee. Doch im Hintergrund ist ein Streit ums Geld entbrannt.

Eigentlich könnte in der Skisprung-Welt gerade alles ziemlich schön sein. Bei der 75. Ausgabe der Vierschanzentournee werden im Dezember und Januar erstmals Frauen teilnehmen. Es gibt Zeitpläne, es gibt ein Konzept, es gibt – nach jahrelangem Hin und Her – sogar demnächst Flutlicht am Bergisel in Innsbruck. Doch ein skurriler Zoff ums Geld überlagert aktuell alle weiteren Themen rund um das Traditionsevent.

Drei Sternchen als großes Fragezeichen

Der Zwist zwischen dem Deutschen Skiverband (DSV) und dem für das berühmte Neujahrsspringen verantwortlichen Skiclub Partenkirchen reicht so weit, dass der 1. Januar 2027 im Wettkampfkalender des Weltverband Fis aktuell mit drei Sternchen versehen ist. Eine Bestätigung für den Austragungsort fehlt. Stattdessen steht «GER» für Germany (Deutschland) in dem Dokument. Garmisch-Partenkirchen taucht dort derzeit nicht auf.

Worum geht es in dem Zoff, der Anfang Mai nur kurz nach der Verkündung einer Frauen-Premiere bei der Tournee medial aufkam? Kurz gesagt: um das Vertragskonstrukt zwischen DSV und dem Skiclub. Wer bekommt wie viel von den Einnahmen? Und wie ändert sich das, wenn im kommenden Winter die Frauen an Silvester integriert werden und das Neujahrsspringen mit Andreas Wellinger und Co. erstmals unter Flutlicht statt wie bisher um 14.00 Uhr steigt?

Skiclub-Präsident spricht von Fehlbeträgen

Wie zuerst die «Bild» berichtete, will der Skiclub in Partenkirchen deutlich mehr als die niedrige siebenstellige Summe, die er bislang erhält. Dazu erhält der Verein die Einnahmen der Ticketverkäufe, muss aber auch die Infrastruktur für das Großereignis stellen. Bis zu 30 Prozent zusätzlich fordert der Club dem Vernehmen nach vom DSV, der maßgeblich über die TV-Verträge und durch Sponsoren an dem Event verdient.

«Wir tragen das komplette Risiko, hatten 22 Jahre lang aber keine signifikanten Zahlungsanpassungen. In den vergangenen beiden Jahren hatten wir bei der Tournee Fehlbeträge in unseren Kassen», sagte Michael Maurer als Präsident des Skiclubs Partenkirchen der «Süddeutschen Zeitung». Der Deutsche Skiverband stellt fest, dass es seit ein paar Jahren Differenzen mit dem Olympia-Gastgeber von 1936 gibt.

Tournee fest mit vier Orten verbunden

Doch Garmisch ist für die Vierschanzentournee zentral. Das Neujahrsspringen hat noch mehr Tradition und Wiedererkennungswert als die Wettbewerbe an den anderen drei Standorten. Dazu ist die Tournee seit der Gründung 1953 für die vier Orte Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen bekannt. «Ohne uns gibt es keine Vierschanzentournee», sagte Maurer.

Die Fis und der DSV stehen dementsprechend unter Druck. Dass der Zwist in der wettkampffreien Zeit medial durchgestochen wurde, dürfte kein Zufall sein. Die Organisatoren des SC Partenkirchen verweisen öffentlichkeitswirksam auf die Thematik, die Fans und TV-Zuschauern bislang gänzlich unbekannt war.

Frauen sollen am Quali-Tag springen

Dabei hatte die Fis jüngst erst die Tournee-Premiere für die Frauen um die herausragende Slowenin Nika Prevc perfekt gemacht und das Event damit massiv aufgewertet. Über diesen Schritt war jahrelang diskutiert worden. Für die erstmalige Austragung im Winter 2026/27 ist geplant, dass die Frauen jeweils am Tag der Qualifikation der Männer ihre Wettbewerbe austragen.

Fis-Präsident Johan Eliasch hatte die Einführung als «einen wahren Meilenstein in der Geschichte des Skispringens und des Wintersports insgesamt» bezeichnet. Dass die Premiere wegen eines verhältnismäßig lapidaren Zoffs ums Geld platzen könnte, werden alle Verantwortlichen verhindern wollen.

Quelle: dpa

 

Bayern Deutschland Frauen International Österreich Skispringen Vierschanzentournee Weltcup

Das könnte Dich auch interessieren

08.05.2026 Vierschanzentournee für Frauen kommt in diesem Jahr Nun ist es offiziell: Ab 2026/27 springen erstmals auch die Frauen an allen vier Orten der Vierschanzentournee. Der Weltverband Fis gibt noch weitere Veränderungen bekannt. 06.05.2026 Keine Rente: Pichler übernimmt Biathlonjob in Österreich Mit fast 40 Medaillen bei Olympia und Weltmeisterschaften zählt Wolfgang Pichler zu den erfolgreichsten Trainern überhaupt. Wie Österreichs Biathlon-Team nun von seinem Wissen profitieren soll. 21.05.2026 Durchsuchungen wegen Verdacht auf erschlichene Visa Rund 220 Beamte durchsuchen in Hessen und Niedersachsen mehrere Objekte. Eine Personengruppe soll unter anderem Visa erschlichen haben. Anlass für die Ermittlungen war eine Grenzkontrolle in Bayern. 19.05.2026 Vergiftete Babynahrung: U-Haft für Verdächtigen verlängert Fünf Hipp-Gläschen mit Rattengift in drei Ländern: Warum der Verdächtige nicht freikommt, und welcher zusätzliche Vorwurf im Raum steht.