Arbeitsmarkt

Wo in Bayern Arbeitskräfte fehlen werden

24. Juni 2026 , 14:48 Uhr

Die Fachkräftelücke wird in den nächsten Jahren wohl geringer ausfallen als erwartet, doch gerade außerhalb der Boomregionen ist sie groß.

In Bayern gibt es zu wenig Arbeitskräfte. Daran wird auch die schwache wirtschaftliche Entwicklung nichts ändern. Für das Jahr 2035 geht eine aktuelle Studie im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft von einem Mangel von 290.000 Arbeitskräften aus. Das wären etwa 60.000 mehr als derzeit, wie Studienautor Michael Böhmer von der Prognos AG sagt. Allerdings gibt es in der Prognose eine große Bandbreite – entwickelt sich die Wirtschaft schlechter als erwartet, schrumpft die Lücke auf 210.000, entwickelt sie sich besser, wächst sie auf 330.000. 

Dass trotz schwacher Wirtschaft Hunderttausende Arbeitskräfte fehlen werden, liegt vor allem daran, dass das Arbeitskräfteangebot sinkt. Im mittleren Szenario werden beispielsweise zwar 260.000 Arbeitskräfte weniger gebraucht, allerdings sinkt das Angebot um 320.000 – weil starke Jahrgänge in den Ruhestand gehen und wenig Nachwuchs nachkommt. 

Dabei ist die Lücke in den vergangenen Jahren geschrumpft und wird jetzt auch weniger stark wachsen als in früheren Prognosen. Zumindest im mittleren und optimistischen Szenario für die wirtschaftliche Entwicklung ist der Tiefpunkt aber erreicht. 

Im Norden ist die Lücke am größten 

Besonders stark fällt der Arbeitskräftemangel der Prognose zufolge nicht in den Boomregionen, sondern im Norden und Nordosten Bayerns aus. So werde es in Tirschenreuth und Kulmbach 12,3 Prozent weniger Arbeitskräfte geben als gebraucht. Auch viele andere Kreise in dieser Gegend weisen Defizite über oder knapp unter 10 Prozent aus. 

Die niedrigste Lücke sieht Böhmer in Augsburg Stadt mit 0,2 Prozent. Insgesamt gebe es ein deutliches Stadt-Land-Gefälle: München liegt bei 3,7 Prozent, Nürnberg bei 3,8, Regensburg bei 2,2 und Ingolstadt bei 0,7. 

Böhmer sieht hier auch einen Trendumbruch zu den vergangenen Jahren. Junge Menschen auf dem Land seien seltener gezwungen, in die Stadt zu gehen, um einen Job zu finden. 

In Oberbayern ist die Lücke oft klein 

Blickt man auf die Regierungsbezirke, fällt auf, dass die Lücken in Oberfranken, Unterfranken und Teilen der Oberpfalz oft hoch ausfällt. In Oberbayern gibt es dagegen besonders viele Landkreise und kreisfreie Städte mit geringeren Lücken. In Mittelfranken, Niederbayern und Schwaben zeigt sich ein gemischtes Bild. 

Die größten Defizite erwartet die Studie in Berufsgruppen wie Führer von Fahrzeug- und Transportgeräten, Reinigungsberufen, Gebäude- und versorgungstechnischen Berufen. Es gibt aber auch Bereiche, in denen ein Überangebot erwartet wird – unter anderem im Bereich Werbung, Marketing und Medienberufen, in Papier- und Druckberufen, in der Land- und Forstwirtschaft aber auch bei Geologie-, Geografie- und Umweltschutzberufen sowie im Bereich Mathematik-, Biologie-, Chemie- und Physikberufen. 

Gezielte Zuwanderung 

Aus Sicht der Wirtschaft ist die Arbeitskräfte-Lücke ein Problem. Man müsse hier an mehreren Stellschrauben drehen, sagt vbw-Hauptgeschäftsführer 
Bertram Brossardt. Zunächst müsse man heimische Potenziale aktivieren – mit Bildungsoffensiven, der besseren Beteiligung Älterer, aber auch mehr Betreuungsangeboten für Kinder. Zudem brauche es die gezielte Zuwanderung von Fachkräften und eine schnelle Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt. 

Man müsse hier auch jeder Tendenz entgegenwirken, dass sich Arbeitskräfte aus dem Ausland nicht willkommen fühlten, betonte Brossardt. Wer nach Bayern komme, etwas könne und arbeitswillig sei, der sei für ihn «ein guter Bayer». 

Gewerkschaft schlägt teilweise in selbe Kerbe 

Auch DGB-Bayern-Chef Bernhard Stiedl sieht den Arbeitskräftebedarf als große Herausforderung. «Umso wichtiger ist es, die vorhandenen Potenziale besser zu erschließen», sagt er. Noch immer scheitere Erwerbstätigkeit häufig an einem Mangel an Kinderbetreuung, Pflegeplätzen, Weiterbildungsangeboten oder Infrastruktur – gerade außerhalb der Ballungsräume. «Deshalb braucht es mehr Investitionen in Bildung, Qualifizierung und Betreuung. Auch qualifizierte Zuwanderung wird Bayern dauerhaft brauchen.» 

Allerdings betont Stiedl, dass nicht der «falsche Schluss» gezogen werden dürfe, «Beschäftigte müssten einfach länger arbeiten». Schon heute schafften es viele Beschäftigte nicht, gesund in die Rente zu kommen. «Fachkräfte gewinnt und hält man nicht durch längere Arbeitstage, sondern durch gute Arbeit», sagt er.

Quelle: dpa

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